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Es kamen Menschen 

Donnerstag, 29.10.2026

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 29.10.2026

„Nereden nereye – wo sind wir losgegangen, wo sind wir heute?“ Mit dieser türkischen Redewendung erinnern Hilime Arslaner und Emre Telyakar, Stadtverordnete der Grünen im Römer, an den 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Die Fraktion würdigt die Lebensleistung aller Menschen, die als sogenannte Gastarbeiter*innen nach Frankfurt gekommen sind, und regt einen sichtbaren 
Erinnerungsort an.

Das Abkommen mit der Türkei war Teil einer ganzen Reihe von Vereinbarungen: Die Bundesrepublik warb Arbeitskräfte aus Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Südkorea, Portugal, Tunesien und Jugoslawien an. Die Angeworbenen arbeiteten dort, häufig wo sich keine anderen Arbeitskräfte fanden: die Männer in körperlich schwersten Tätigkeiten, die Frauen in schlecht bezahlter Arbeit. Viele blieben, holten ihre Familien nach und haben die wirtschaftliche und kulturelle Erfolgsgeschichte Frankfurts mitgeschrieben. Bis heute ist die türkische die häufigste ausländische Staatsangehörigkeit in der Stadt. Allein im Bezirk der IHK Frankfurt am Main zählt die türkeistämmige Business Community über 2.000 Unternehmen.

„Mein Vater hat über 30 Jahre am Flughafen Gepäck gewuchtet und fünf Kinder großgezogen. Dazu gehörten Mut, Leistungsbereitschaft und Leidensfähigkeit“, sagt Arslaner, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Römer, die als erste Frankfurterin aus einer Gastarbeiter*innenfamilie das Amt der 
Stadtverordnetenvorsteherin innehatte. „Unsere Eltern haben eine Chance gesehen, wir Kinder haben sie ergriffen – als Unternehmer*innen, Handwerker*innen, Ärzt*innen, Lehrer*innen oder Stadtverordnete. Doch ob ein Arbeiter*innenkind seinen Weg macht, darf nicht vom glücklichen Zufall abhängen.“ 

„Unsere Nationalhymne ist für mich ein Versprechen: Einigkeit und Recht und Freiheit“, so Arslaner. „Einigkeit gegen alle, die unser gewachsenes Miteinander spalten wollen. Gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle, auch für diejenigen, die nicht seit Generationen hier leben. Und natürlich in Freiheit ohne Angst vor Diskriminierung und Gewalt zu leben. Die Gastarbeiter*innengeneration war nicht nur Teil unserer Wirtschaftsgeschichte. Sie ist Teil unserer Stadtgeschichte, unserer Identität und 
unseres gemeinsamen Frankfurts.“

„Der Anschlag in Hanau und die Drohschreiben des NSU 2.0 erinnern uns daran, dass dieses Versprechen täglich eingelöst werden muss, denn die Kontinuität rechter und rassistischer Gewalt reicht bis in unsere Gegenwart“, betont Emre Telyakar, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und diversitätspolitischer Sprecher der Grünen im Römer. „Frankfurt ist eine Stadt, deren Geschichte untrennbar mit Migration 
verbunden ist. Für uns gelten universelle Menschenrechte, unabhängig von der Herkunft. Daraus ergibt sich unser Anspruch, Migrationsgeschichte nicht nur anzuerkennen, sondern gesellschaftliche Teilhabe aktiv zu ermöglichen.“

„Den Arbeitspionier*innen aller Anwerbeländer gebühren mehr als Festakte und Ausstellungen“, bekräftigt Telyakar. „Die Koalition hat vereinbart, die Erinnerungskultur in den Stadtteilen zu stärken und das ist der richtige Anlass dafür: Wir fordern, den bestehenden Beschluss zu einem Erinnerungsort am Hauptbahnhof möglichst bald umzusetzen, trotz des umfangreichen Umbaus vor Ort. Zugleich wollen wir heute besser machen, was damals versäumt wurde: mit einem modernen Frankfurt Immigration Office, einem Sprach- und Teilhabepakt und einer einfacheren Anerkennung ausländischer Abschlüsse.“