Wenn es heiß wird, wird's ernst
Dieser Sommer hat es uns noch einmal sehr deutlich gezeigt: Hitze ist kein Komfortthema. Im Juni sorgten Temperaturen von über 40 Grad für eine erhöhte Auslastung der Notfallrettung, Mitte Juli folgte die nächste Hitzewelle. Bundesweit starben bis Anfang August nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts mehr als 11.900 Menschen an den Folgen der Hitze. Und Hitze trifft nicht alle gleich, wie unser sicherheits- und gesundheitspolitischer Sprecher Christoph immer wieder betont: Wer pflegebedürftig ist, allein lebt, auf der Straße schläft oder ein Baby betreut, ist bei solchen Temperaturen in echter Gefahr.
Frankfurt hat beim Klimaschutz und bei der Klimaanpassung schon viel auf den Weg gebracht – von der Gestaltungssatzung „Freiraum und Klima" über das Schwammstadtprinzip bis zu mehr als 15.000 neuen Bäumen seit 2015. Das ist richtig und wichtig. Aber diese Maßnahmen wirken mittel- bis langfristig. Die Klimakrise ist schon jetzt da und stellt die Stadt vor akute Fragen. Deshalb haben wir gemeinsam mit CDU, SPD und Volt ein Hitze-Sofortprogramm in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, das wir in der nächsten Plenarsitzung beschließen werden.
Der Antrag setzt auf den bestehenden Klimawandelaktionsplan auf und weitet ihn gezielt aus. Konkret: Die bestehenden Warn- und Informationswege sollen so gebündelt werden, dass alle relevanten Ämter und Einrichtungen bei einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes frühzeitig informiert werden und Maßnahmen automatisch anlaufen – ohne dass jedes Mal von vorne koordiniert werden muss. Die Kommunikation soll gezielt auf vulnerable Gruppen ausgerichtet und über die Behördennummer 115 zentral gebündelt werden.
Darüber hinaus soll die Stadt ein freiwilliges Hitzeschutz- und Vulnerabilitätsregister aufbauen – eine Meldedatei für gefährdete Personen, damit diese in Hitzeperioden gezielt angesprochen werden können. Eine Entlastung nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihre Angehörigen. Außerdem soll der Magistrat binnen sechs Monaten eine Liste städtischer und stadtnaher Gebäude vorlegen, die sich kurzfristig als kühle Aufenthaltsorte eignen – und dabei auch auf Dritte wie Kirchen, Sportvereine und Stadtteilbüros zugehen. Andere Städte machen vor, wie das geht: Mannheim und Erfurt öffnen an Hitzetagen kostenfrei ihre Museen, Lyon stellt Menschen aus überhitzten Wohnungen Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung, Amsterdam bietet kühle Orte an, zu denen man sogar Haustiere mitbringen kann.
Hitzeschutzmaßnahmen sollen außerdem bedarfsgerecht auf Kitas, Schulen, Pflegeheime und Seniorenwohnanlagen ausgeweitet werden – ergänzt um zusätzliche Trinkwasserangebote. Die aufsuchende Sozialarbeit für wohnungslose und alleinlebende Menschen soll räumlich und zeitlich ausgeweitet werden. Und: Das Programm soll jährlich fortgeschrieben und auf seine Wirksamkeit geprüft werden – mit Bericht an die Stadtverordnetenversammlung.
Vorsorge ist der wirksamste Gesundheitsschutz, den eine Stadt bei Hitze leisten kann. Wir wollen, dass Hilfe die Menschen erreicht – bevor der Notruf klingelt!
