Rede zur Aktuellen Stunde zum Thema Sprach-Kitas
Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Sprachförderung ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und ein essenzieller Baustein für gelingende Integration. Die gezielte Unterstützung in Kitas durch das Programm „Sprach-Kitas“ legt dabei das Fundament für eine erfolgreiche Bildungsbiografie. In ganz Hessen haben wir über 500 Sprach-Kitas, davon sind alleine 80 in Frankfurt. Diese Einrichtungen unterstützen vor allem dort, wo überdurchschnittlich viele Kinder mit sprachlichem Förderbedarf sind. Studien zeigen eindeutig, dass die Qualität der vorschulischen Betreuung direkt die sogenannte Schulfähigkeit beeinflusst.
Sprachlich und kognitiv gut begleitete Kinder haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, am Ende der Grundschulzeit eine Gymnasialempfehlung zu erhalten. Kinder mit besonderem Bedarf, die in der Kita keine angemessene Unterstützung bekommen, wiesen hingegen noch in der zweiten und dritten Klasse messbare Leistungsrückstände auf. Genau hier leisten die Sprach-Kitas so wertvolle Arbeit. In der täglichen Arbeit beraten die Fachkräfte die Teams und unterstützen sie bei der Sprachvermittlung im Alltag, beim Spielen, bei den Mahlzeiten und während der Hol- und Bringzeiten. Doch diese zielgerichteten Strukturen sind nun in Gefahr.
Die Landesregierung möchte mit ihrem Reformprogramm zukünftig alle Kitas zu Sprach-Kitas machen, anstatt – wie bisher – nur einzelne Einrichtungen gezielt auszustatten. Aber dieses Gießkannenprinzip funktioniert nicht, denn die Bedürfnisse der Kinder variieren stark. Der Wegfall der spezifischen Förderung wird unweigerlich zu einer weiteren Belastung für die Erzieher:innen werden. Bisher gibt es noch keinen konkreten Plan, ob – und wenn ja, wie es mit der Finanzierung weitergehen soll. Sicher ist nur, es wird keinen nahtlosen Übergang geben. Damit droht dem Fachpersonal, das wir so dringend brauchen, zum Jahresende die Arbeitslosigkeit.
Das Programm „Sprach-Kitas“ beinhaltet mehr als nur reine Sprachförderung, das wurde vorhin nicht ausreichend betont. Es umfasst außerdem Aspekte von inklusiver Pädagogik, die Zusammenarbeit mit Familien und die digitale Medienbildung in den Kitas. Wie diese weiteren Kerninhalte des Programms zukünftig gesichert werden können, steht noch mehr in den Sternen als die Sprachförderung selbst. Es wird sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene im Bildungsbereich immer weiter gekürzt, auch das haben wir schon gehört. Deshalb müssen wir gerade hier in Frankfurt handeln. Wir müssen frühzeitig Lösungen finden, wie wir den entstehenden Defiziten entgegenwirken können. Denn es geht um das Wohl von Kindern und darum, dass sich versäumte frühe Hilfen beim Spracherwerb auf das gesamte Leben auswirken.
Besonders wichtig ist es für die Sprach-Kitas in Frankfurt, eine Übergangslösung zu finden für die Lücke zwischen dem Auslaufen des Förderprogramms Ende 2026 und dem neuen möglichen Programm ab Mitte 2027. Es braucht hier in Frankfurt eine sichere Ausfinanzierung der bestehenden Strukturen, damit wir keine Fachkräfte und keine über Jahre aufgebauten Strukturen verlieren.
Vielen Dank!
(Beifall)
Die Rede wurde im Wortprotokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 25.06.2026 dokumentiert.