Mut zum Lückenschluss
Es gibt Lücken, die wichtig sind und eine Funktion erfüllen. In der Kunst beispielsweise. Da kann gerade das Unausgesprochene oder der leere Raum eine besondere Wirkung auf die Betrachtenden entfalten, kann eine Lücke diese einladen, sie mit eigener Interpretation zu füllen. Und dann gibt es wiederum Lücken, die schleunigst geschlossen gehören. Nun wirkt das Schienennetz Frankfurts zwar wie ein abstraktes Gemälde und es soll sogar Menschen geben, die Schienennetze sammeln und sich an die Wand hängen. Aber hat die Lücke zwischen den U-Bahn-Stationen Bockenheimer Warte und Ginnheim eine Funktion, ist sie wichtig? Wohl eher nicht. Das ist keine Kunst, das kann weg.
Nachdem 2006 ein erster Anlauf zur Verbindung dieser beiden Stationen eingestellt wurde, beschloss die Stadtverordnetenversammlung 2010 eine neue Untersuchung möglicher Trassenvarianten. Nach diversen Berichten, vielen Beratungen über das Für und Wider der unterschiedlichen Varianten sowie mehreren weiteren Beschlüssen, mit denen wir Euch hier nicht weiter langweilen wollen, war es dann gestern endlich so weit: In der Sitzung des Ausschusses für Klima und Umweltschutz haben wir eine Vorlage unseres Mobilitätsdezernenten Wolfgang Siefert debattiert, mit der wir uns auf eine Variante festlegen. Die so genannte Variante 3i, die von der Bockenheimer Warte über den Uni-Campus Westend und den Europaturm nach Ginnheim führt. Von den zuletzt vertieft geprüften Varianten, weist sie die am breitesten gefüllte „Nachhaltigkeitsblume“ auf (sieht übrigens ebenfalls wie ein kleines Kunstwerk aus). Aus GRÜNER Sicht besonders überzeugend dürfte sein, dass diese Variante neben weiteren Vorteilen den geringsten Eingriff in den Baumbestand erfordert und sich auch die Auswirkungen auf das Grundwasser in Grenzen halten. Und: Der Campus Westend wird angeschlossen! Das ist, wie unsere Fraktionsvorsitzende und mobilitätspolitische Sprecherin Katharina in einer Rede dazu formulierte, die Kirsche auf der Torte des Ganzen. Dazu kommen die weiteren Vorteile, die dieser Lückenschluss mit sich bringt: Wir schaffen damit eine weitere attraktive Verbindung aus den nördlichen Stadtteilen in die Innenstadt und zum Hauptbahnhof; wir stellen eine zweite Nord-Süd-Verbindung her, die die Kapazität des Gesamtsystems steigert, die sehr stark genutzte A-Strecke (U1, U2, U3 und U8) entlastet und bei Störungen dieser eine Alternative darstellt; wir verbessern das Angebot des ÖPNV damit merklich, was einen weiteren Schritt bei unserer Mobilitätswende darstellt, die in Anbetracht der Klimakrise keinen Aufschub duldet.
Und weil es in der Mobilität, anders als in der Kunst, nicht ums Innehalten, sondern ums Vorankommen geht, gilt hier auch nicht das Motto Mut zur Lücke, sondern ganz im Gegenteil: Mut zum Lückenschluss!