Lasst uns aufeinander aufpassen!
Liebe Freund*innen!
Wir sind am Leben! Das war der Titel eines neuen Musicals, das ich vergangene Woche in Berlin gesehen habe. Story: 90er Jahre, ein besetztes Haus im Osten von Berlin, die Telefone funktionieren noch, dort wurde zu DDR-Zeiten eine Seelsorge-Hotline betrieben. Die Hausbesetzer*innen machen weiter, nehmen Anrufe entgegen und hören sich die Sorgen der Menschen an: Krankheit, Jobverlust, Einsamkeit, Liebeskummer, Familienprobleme... keine großen Unterschiede zu heute.
Der Zeitpunkt meines Besuches hätte nicht aktueller sein können:
Denn der Mai ist der internationale Mental Health Awareness Month (Monat des Bewusstseins für psychische Gesundheit). Dieser zielt seit 1949 darauf ab, das Bewusstsein für mentale Gesundheit zu schärfen, Stigmata abzubauen und über psychische Erkrankungen aufzuklären. Denn im Gegensatz zu einem Gips-Arm sind psychische Erkrankungen meist unsichtbar, werden schwerer erkannt und nicht immer ernst genommen.
Im Laufe ihres Lebens erkranken 12-16% der Menschen an Depressionen. 2024 beendeten 10.372 Menschen ihr Leben durch einen Suizid. Die Wartezeit für einen Therapieplatz (ambulant oder stationär) beträgt oft mehrere Monate, für Kinder und Jugendliche ist die Situation noch schlimmer. Durch Krisen, Pandemien und ein gestiegenes Bewusstsein für mentale Gesundheit ist die Nachfrage nochmals stark gestiegen.
Einen wichtigen Beitrag zur Prävention kann da zum Beispiel die Telefonseelsorge der evangelischen und katholischen Kirche leisten. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr stehen über 7700 geschulte Ehrenamtliche für ein Gespräch bereit, und das anonym und kostenfrei. Die Telefonseelsorge ist regional organisiert und berät seelsorgerisch alle Menschen unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder ihres Geschlechts. Die Gespräche dauern durchschnittlich 20 Minuten. Top-Thema in den letzten Jahren ist „Einsamkeit“. Das Angebot gibt es auch per Mail oder Chat, meistens auf deutsch.
Auch wir können bei unseren Mitmenschen hinschauen, nachfragen und uns nicht immer mit einer schnell dahingesagten Antwort „alles gut“ zufriedengeben. Und auch – gerade bei Freund*innen - ehrlich auf die Frage „Wie geht’s?“ antworten.
Passen wir mehr auf einander auf!
Eure Daniela
Schatzmeisterin des Kreisverbands