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Intro zur Grünen Woche KW 17

Freitag, 24.4.2026

Liebe Freund*innen,

würde mensch mich nach einer Zusammenfassung der letzten Woche fragen, würde ich sagen:

„Bundesfrauenrat, Proteste gegen Reiches Energiepolitik, auf denen vor allem grüne Flaggen zu sehen waren. Wo bleibt der breite politische Rückhalt für die Energiewende?

In Frankfurt diskutieren wir feministische Strukturen und vernetzen uns. Gleichzeitig wünschen sich CDU und SPD eine Kenia-Koalition und die Sozialdemokratie sagt Nein zu einem progressiven Linksbündnis.“

Jedoch bleibt mir ein Interview aus den Nachrichten in dieser Woche besonders hängen:

„Was raten sie Frauen?“ – „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht: besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher eben Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden. Jeden Tag werden in Deutschland mindestens zwei Frauen und Mädchen Opfer eines versuchten oder vollendeten Tötungsdeliktes und bei den Sexualdelikten sieht das nicht anders aus. Also nicht der fremde Mann, der hinter dem Busch wartet – aus dem sozialen Umfeld kommen die Täter. Das ist ein ganz entscheidender Punkt.“

Zwei Tage nach dem Bundesfrauenrat wiegt dieser Rat des Vorsitzenden des Bund Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, besonders nach. In Berlin haben wir neben Anträgen zu Deepfakes, einer Erneuerung des Sexualstrafrechts und feministischer Führung und mit Felix Banaszak über „neue Männlichkeit“ gesprochen. Diese Debatte ist meiner Meinung nach zentral, gerade für eine feministische Partei wie unsere. Es geht darum, welche Rolle Männer im Kampf gegen patriarchale Gewalt einnehmen müssen. Klar ist: Es braucht eine aktive Rolle.

Auch hier in Frankfurt müssen wir uns fragen: Wie können wir als Partei – und insbesondere Männer – aktiv zu Veränderungen beitragen? Das heißt auch, sich in unbequeme Rollen zu begeben, Machtpositionen zu reflektieren und sich mit Themen wie dem Frauenstatut, feministischer Führung und Gleichstellung ernsthaft auseinanderzusetzen. Und zwar nicht, nachdem andere darum gebeten haben, sondern aus einem eigenen Impuls heraus. Ebenso wenig darf es hier die Erwartungshaltung geben, dass wir euch das Patriarchat erklären. Diese Infos stehen euch frei zugänglich überall zur Verfügung.

Feminismus und „neue Männlichkeit“ bedeuten ebenso nicht, sich aus Angst vor eigenen verinnerlichten Mustern zurückzuziehen. Patriarchale Muster besitzen wir alle, wir leben schließlich in einer patriarchalen Gesellschaft. Entscheidend ist, ob in einer feministischen Partei wie unserer auch die Männer aktiv Teil der Lösung werden.

Denn viel zu oft erleben wir Frauen / LGBTIQ+-Menschen, dass wir allein kämpfen. Wenn in Signal-Gruppen über Femizide oder Gewalt gegen Frauen gesprochen wird und solidarische Reaktionen von Männern ausbleiben, entsteht genau dieses Gefühl. Viele sind erschüttert über das Schweigen von Teilen der Gesellschaft, von Teilen unserer Partei. Das mag sich für viele wie ein Angriff lesen, ist es aber nicht. Es ist eher ein lauter und dringender Aufruf an euch, gerade in Zeiten des Antifeminismus und der neuen Rechten, euch aktiv für uns einzusetzen. Dass das Patriarchat nicht nur Frauen und queere Menschen diskriminiert und benachteiligt, sondern eben auch negative Auswirkungen auf Männer selbst hat, brauche ich euch nicht zu erzählen.

Die Forderung an Männer – auch aus dem Austausch mit Felix Banaszak – ist daher klar:

Seid laut.

Seid laut für Selbstbestimmung, für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche, für eine Änderung des Sexualstrafrechts, gegen die sexistischen Kommentare und Witze im Alltag.

Geht auf andere Männer zu – auch parteiübergreifend – und arbeitet gemeinsam daran, feministische Politik voranzubringen.

Luisa Neubauer sagte kürzlich auf einer Demo in Solidarität mit Collin Fernandes:

„Ich würde so gerne einfach nur Klimaaktivismus machen. Aber ich kann das nicht, weil ich eine Frau bin und mich jeden Tag mit Sexismus und patriarchaler Gewalt auseinandersetzen muss.“ Diese Worte haben mich tief bewegt, denn sie haben meine GRÜNE Geschichte beschrieben. Ich bin als Meteorologin, also über die Klimapolitik in die Partei gekommen und arbeite mittlerweile hauptsächlich in unseren frauenpolitischen Strukturen. Für viele von uns klar: Unser Engagement in feministischen Strukturen entsteht nicht aus Spaß, sondern aus Notwendigkeit, weil Diskriminierung täglich erlebt wird.

Deshalb: Männer, wir brauchen euch.
Beschäftigt euch mit dem Patriarchat, mit euch selbst - und zeigt Solidarität.

Nur wenn wir gemeinsam daran arbeiten, kann irgendwann eine Welt entstehen, in der das Patriarchat nicht mehr bestimmt, wie wir leben und wessen Würde mehr zählt.

Feministische, solidarische Grüße, 
eure Kathi

Katharina Meixner
Beisitzerin im Kreisvorstand