Rede zur Aktuellen Stunde zum Thema Kulturcampus
Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
am 6. Juni stand die Bockenheimer Landstraße still.
Der Grund war keine Baustelle.
Auch kein Stau.
Sondern hunderte Frankfurterinnen und Frankfurter, die mitten in unserer Stadt, zusammen, gefeiert haben.
Gemeinsam haben sie ein Zeichen gesetzt:
für ein offenes Miteinander, für kulturelle Vielfalt und gegen Ausgrenzung.
Gemeinsam haben hunderte Menschen einen öffentlichen Platz geschaffen, so bunt und vielfältig wie unsere Gesellschaft.
Und mittendrin haben sie eine Antwort auf eine entscheidende Frage gegeben:
Wie wollen wir in unserer Stadt zusammenleben?
Als Frankfurterin und Bockenheimerin muss ich Ihnen sagen: Das hat mich tief berührt.
Denn genau das unterscheidet den Kulturcampus von anderen Großprojekten.
Initiativen wie die Ada-Kantine.
Das Offene Haus der Kulturen.
Das EU-geförderte Zwischennutzungsprojekt in der ehemaligen Kunstbibliothek.
Das ist keine Theorie.
Das sind hunderte Stunden meistens ehrenamtlicher Arbeit.
Manchmal auch mit großen finanziellen Risiken, die aus Überzeugung eingegangen werden.
Das sind unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich in ihrer Freizeit für eine gelebte Stadt einsetzen.
Das ist eine Frankfurter Zivilgesellschaft, die nicht wartet, sondern selbst anpackt.
Ich bin überzeugt: Wir sollten dieses Engagement ermöglichen, schützen und weiter fördern.
Aber, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, bei aller Freude über das, was schon gelebt wird, sage ich auch ganz klar:
Ein Kulturcampus ohne gemeinschaftliches Wohnen ist nicht vollendet.
Verschiedene Gruppen warten hier seit vielen Jahren auf die Umsetzung ihrer Projekte.
Auch das gemeinschaftliche Wohnprojekt AdAptiv in der Akademie der Arbeit ist an den Kosten gescheitert.
Das schmerzt uns sehr.
Aber die Stadt hat das Haus inzwischen gesichert. Damit ist der Weg frei für einen neuen Anlauf – mit günstigeren Erbbauzinsen.
In den kommenden Jahren werden wir alles daransetzen, dass auch das Wohnen auf dem Kulturcampus endlich Realität wird.
Als Architektin bin ich überzeugt: Ein zukunftsfähiges Quartier gelingt erst, wenn Menschen darin wohnen, arbeiten, lernen, zusammen feiern.
Und ich freue mich sehr, dass sich die HfMDK für diesen Standort entschieden hat.
Nun erwarte ich mit echter Spannung und Neugier die Ergebnisse der Expertinnen und Experten, die sich so lange und so gründlich mit der Zukunft des Juridicums beschäftigt haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kulturcampus ist eines der letzten großen innenstadtnahen Areale unserer Stadt. Eines, das wir noch mit Herz gestalten können.
Er hat noch immer die Chance, zu einem städtebaulichen Leuchtturmprojekt zu werden.
Denn ein Leuchtturmprojekt des zivilgesellschaftlichen Engagements ist er schon längst geworden.
Jetzt liegt es an uns, mitzuhalten: mit Tempo und mit Mut.
Vielen Dank.