Mehr Hitzetage als im Hitzesommer 2018
Liebe Freund:innen,
der Sommer 2018 war vielen ein Weckruf. Was damals noch als außergewöhnlicher Hitzesommer wahrgenommen wurde, erleben wir heute in immer kürzeren Abständen und mit immer gravierenderen Folgen. Frankfurt verzeichnete 2018 bereits 43 Hitzetagen und damit einen Extremwert. 2026 sind es bislang 46.Und im Juni wurde erstmals eine Temperatur von über 41 Grad gemessen. Aus dem Ausnahmejahr 2018 ist längst eine Entwicklung geworden, die sich weiter verschärft.
Dieser Sommer hat uns in Frankfurt sehr deutlich gezeigt, wie ernst die Folgen der Klimakrise bereits heute sind. Menschen sind an den Folgen der extremen Hitze gestorben. Wochenlange Hitze und Trockenheit haben Tiere und Pflanzen massiv unter Stress gesetzt, Bäume und Grünflächen geschädigt und haben auch unserem Stadtwald zugesetzt.
Wir können deshalb nicht mehr so tun, als hätten wir noch Zeit. Dieser Sommer war kein Ausnahmefall, den wir einfach abhaken können. Er war ein Vorgeschmack auf das, was auf uns zukommt: längere, heißere und häufigere Extremphasen. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, riskieren wir, dass die Folgen der Klimakrise unsere Möglichkeiten zur Anpassung überfordern.
Wir müssen deshalb bei der Klimaanpassung schneller, strategischer und konsequenter werden.
Dabei dürfen wir Klimaschutz und Klimaanpassung nicht gegeneinander ausspielen. Wir brauchen beides. Wir müssen die Ursachen der Klimakrise bekämpfen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Frankfurt mit ihren Folgen umgehen kann. Eine begrünte und entsiegelte Stadt hilft dabei gleich mehrfach: Sie kühlt, bindet CO₂ und kann Regenwasser aufnehmen und speichern.
Auch die Frage der Wirtschaftlichkeit müssen wir neu stellen. In Zeiten der Klimakrise kann es die teuerste Entscheidung sein, heute aus Kostengründen nicht zu handeln. Die Schäden durch Hitze, Dürre und Extremwetterereignisse haben ihren Preis. Je später wir investieren, desto höher werden die Folgekosten.
Die Folgen dieses Sommers sind bereits in der ganzen Stadt sichtbar. Rasen und Wiesen, Bäume und Pflanzen haben unter der Kombination aus Hitze und Trockenheit gelitten. Besonders betroffen sind Jungbäume und stark sonnenexponierte Standorte. Gleichzeitig war der Aufwand für die Bewässerung über Wochen enorm. Und gerade bei Bäumen wissen wir: Schäden können sich teilweise erst in den kommenden Jahren zeigen.
Die Lehre daraus: Wir können unser Stadtgrün nicht einfach durch immer mehr Bewässerung durch immer heißere Sommer bringen. Wir müssen die Bedingungen verändern, unter denen Stadtgrün wächst. Dazu gehören klimaangepasste Baumarten, bessere Pflanzstandorte und größere Baumbeete ebenso wie moderne und effiziente Bewässerungstechnik.
Dabei müssen wir auch mit der immer knapper werdenden Ressource sorgsamer umgehen. Gerade Wasser und Böden geraten durch längere Trockenphasen zunehmend unter Druck. Umso wichtiger ist es, Wasser effizient zu nutzen und unsere Stadt widerstandsfähiger gegenüber Dürre zu machen.
Aus den Erfahrungen dieses Sommers leite ich konkrete politische Prioritäten ab:
- mehr Stadtgrün und mehr Stadtbäume, verbunden mit besseren Bedingungen für ihren langfristigen Erhalt
- Schutz bestehender Grünstrukturen, denn was heute schon da ist, ist besonders wertvoll
- mehr Entsiegelung an Hitze-Hotspots
- ein deutlicher Ausbau von Dach- und Fassadenbegrünung
- mehr Schatten auf städtischen Plätzen und Kinderspielanlagen
- mehr kostenlose Kühlangebote, insbesondere in sozial benachteiligten Stadtteilen
- ein weiterer Ausbau der öffentlichen Trinkbrunnen
- und besserer Hitzeschutz für Beschäftigte, die im Freien arbeiten – etwa beim Grünflächenamt, bei StadtForst und der FES
Entscheidend ist, dass wir von der akuten? Reaktion auf einzelne Extremereignisse zu einer vorausschauenden Klimaanpassung kommen. Dafür müssen wir schneller umsetzen, ressortübergreifend koordinieren und die notwendigen Maßnahmen dauerhaft finanziell absichern.
Bundeskanzler Merz hat beim Besuch des Waldbrandgebiets in der Eifel selbst gesagt: ‚Das ist Klimawandel.‘ Genau daraus müssen jetzt auch politische Konsequenzen folgen. Wenn sie anerkennt, dass solche Ereignisse mit der Klimakrise zusammenhängen, müssen die Kommunen auch in die Lage versetzen, sich besser darauf vorzubereiten. Ich erwarte deshalb, dass die aktuelle Debatte auf Bundesebene zu einem guten Ergebnis kommt und Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen im Grundgesetz verankert wird.
Für Frankfurt schlage ich außerdem einen ressortübergreifenden „Hitze-Topf“ vor. Damit könnten Hitzeschutzprojekte verschiedener Dezernate finanziert und auch Vereine, kleinere Unternehmen und private Initiativen unterstützt werden. Denn Klimaanpassung darf nicht davon abhängen, ob gerade in einem einzelnen Dezernat Geld für ein Projekt vorhanden ist.
Ja, es ist ein gemeinsamer Kraftakt – für den Magistrat, die Stadtverwaltung, ebenso wie für Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Wir wollen nicht nur auf den nächsten Hitzesommer reagieren. Wir wollen Frankfurt so verändern, dass die Stadt auch in einer heißeren Zukunft lebenswert bleibt. Genau darin liegt für mich eine zentrale grüne Aufgabe: Klimaschutz voranzutreiben und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass unsere Stadt widerstandsfähig, sozial gerecht und lebenswert bleibt.
Herzlichst
Eure Tina