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Jüdisches Leben gehört in unsere Mitte – GRÜNE wollen Erinnerung in den Stadtteilen stärken und sich für sichtbares, sicheres und selbstbestimmtes jüdisches Leben einsetzen

Freitag, 6.11.2026

Zum 88. Jahrestag der Novemberpogrome erinnern die GRÜNEN im Römer an die jüdischen Frankfurter*innen, die unter dem Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Am 9. und 10. November 1938 setzten Nationalsozialisten Frankfurter Synagogen in Brand, plünderten jüdische Geschäfte und verwüsteten Wohnungen. Menschen wurden misshandelt, verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die Pogrome markierten eine weitere Radikalisierung der bereits seit 1933 betriebenen Entrechtung und Verfolgung.

„Die Gewalt geschah vor aller Augen, mitten in unserer Stadt. Die Verfolgten waren Nachbar*innen, Mitschüler*innen und Arbeitskolleg*innen. Viele schauten weg, andere machten mit, zu wenige halfen“, erklärt Emre Telyakar, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und diversitätspolitischer Sprecher der GRÜNEN im Römer. „Deshalb gehört die Erinnerung dorthin, wo diese Menschen gelebt haben: in unsere Straßen, Schulen und Nachbarschaften. Stolpersteine, Gedenktafeln und lokale Initiativen leisten dafür wertvolle Arbeit. Daran wollen wir anknüpfen und die Geschichte hinter den Namen erfahrbar machen.“

Jüdisches Leben hat Frankfurt über Jahrhunderte mitgeprägt und gehört auch heute selbstverständlich zur Stadt. Daraus erwächst Verantwortung: „Das jüdische Kinder unter Polizeischutz zur Schule gehen müssen, darf uns niemals gleichgültig werden. Dieser Schutz ist notwendig. Unser Anspruch muss sein, dass Jüdinnen und Juden in Frankfurt ohne Angst leben und selbst entscheiden können, wie sie ihren Glauben und ihre Identität zeigen“, sagt Telyakar. „Antisemitismus begegnet uns im gesamten Spektrum des politischen und religiösen Extremismus ebenso wie in der Mitte unserer Gesellschaft. Wir treten ihm überall entgegen, in der Schule, im Netz, auf der Straße und auch im Stadtparlament. Entscheidend ist, dass wir ihn auch dort erkennen und benennen, wo er im eigenen Umfeld auftritt.“

Der Koalitionsvertrag von CDU, GRÜNEN und SPD in Kooperation mit Volt bietet dafür konkrete Ansatzpunkte: jüdisches Leben und jüdische Einrichtungen in Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde, Organisationen und Sicherheitsbehörden umfangreich schützen sowie den Aktionsplan gegen Antisemitismus gemeinsam mit Schulen und Zivilgesellschaft weiterentwickeln. Ebenso vereinbart sind die Stärkung der Erinnerungskultur in den Stadtteilen und des Instituts für Stadtgeschichte als Ort historisch-politischer Bildung sowie der Ausbau des Besuchsprogramms für Kinder und Enkel verfolgter ehemaliger Frankfurter*innen.

„Diese Vereinbarungen wollen wir mit Leben füllen. Wer die Geschichte der eigenen Straße kennt, begreift, wie unmittelbar die Verfolgung zu Frankfurt gehört und welche Lebensgeschichten hinter den Namen der Opfer stehen. Und wer heute Antisemitismus erlebt, muss sich auf die Courage seiner Nachbarschaft und das Handeln seiner Stadt verlassen können“, so Telyakar. „Jüdisches Leben gehört in unsere Mitte, sichtbar, selbstbestimmt und sicher.“