Mein Besuch beim Klimareferat in Mannheim
Liebe Freund:innen,
wie gelingt es, eine Großstadt klimafreundlich mit Wärme zu versorgen? Und wie stellen wir sicher, dass die Wärmeversorgung auch dann zuverlässig funktioniert, wenn Flüsse wenig Wasser führen und die Sommer heißer und trockener werden? Über diese Fragen habe ich mich gemeinsam mit dem Klimareferat bei unserem Besuch in Mannheim mit der Ersten Bürgermeisterin Diana Pretzell (Bündnis 90/Die Grünen) und ihrem Team ausgetauscht.
Nach den Erfahrungen dieses Sommers war für uns besonders interessant, welche Chancen Flusswärme bietet, welche technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wo die Grenzen liegen. Neben der Wärmewende haben wir uns auch über kommunalen Klimaschutz, die BUGA 2023 in Mannheim und die Vorbereitungen für die BUGA 2045 in Frankfurt ausgetauscht.
Mannheim betreibt mit seiner Flusswärmepumpe am Rhein bereits eine Anlage, die zeigt, wie sich natürliche Wärmequellen für die Versorgung einer Großstadt nutzen lassen. Aktuell plant der Mannheimer Energieversorger MVV Energie eine zweite, deutlich leistungsstärkere Anlage, die 2028 in Betrieb gehen soll. Beide Anlagen werden zusammen über 40 000 Haushalte mit Wärme versorgen.
Auch Frankfurt arbeitet daran, erneuerbare Wärmequellen zu erschließen. Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag von Stadt, Stadtentwässerung Frankfurt am Main und Mainova hat ergeben, dass sich insbesondere vollständig gereinigtes Abwasser, sogenanntes Klarwasser, für die Erzeugung von Fernwärme eignet. Es weist im Winter ein höheres Temperaturniveau auf als Flusswasser und ist deshalb für diesen Anwendungsfall effizienter.
Mainova konkretisiert deshalb die Planungen für eine Klarwasser-Großwärmepumpe mit einer möglichen thermischen Leistung von 30 bis 60 Megawatt. Großwärmepumpen nutzen Strom, um die im Klarwasser enthaltene Wärme auf das für die Fernwärme benötigte Temperaturniveau anzuheben. Die Machbarkeitsstudie hat erste Konzepte für den Standort, die Entnahme und Rückleitung des Klarwassers sowie die Einspeisung der erzeugten Wärme in das Fernwärmenetz erarbeitet. Diese werden in den kommenden Monaten gemeinsam mit dem städtischen Eigenbetrieb Stadtentwässerung (SEF) weiter konkretisiert.
Ein wichtiger Fortschritt ist die inzwischen vorliegende Stromzusage für die geplanten Großwärmepumpen. Die Planungsleistungen werden fortgeführt, parallel werden Fördermittel beantragt und die erforderlichen Beschlüsse vorbereitet. Ziel ist eine mögliche Inbetriebnahme im Jahr 2030.
Die Nutzung von Flusswasser bleibt aber auch in Frankfurt eine weitere Option, die bei der Entwicklung der Frankfurter Wärmeversorgung berücksichtigt werden kann.
Der Austausch mit Mannheim war deshalb eine gute Gelegenheit, praktische Erfahrungen kennenzulernen und technische Fragen zu diskutieren.
Auch darüber, wie wir die Menschen für den kommunalen Klimaschutz gewinnen und die Wärmewende vor Ort umsetzen können, haben wir gesprochen. Interessant fand ich hier die Erfahrungen mit einer „Wärmewende Akademie“: Mannheim hat mit ihr ein Schulungszentrum aufgebaut, das Handwerksbetriebe gezielt für klimafreundliche Heizlösungen qualifiziert und miteinander vernetzt. Denn die lokale Wärmewende kann nur wirken, wenn genügend Fachkräfte die geplanten Lösungen auch umsetzen können.
Eine weiteres Thema war die BUGA 2023 in Mannheim. Sie hat wichtige Impulse für die Stadtentwicklung in Mannheim gesetzt und gezeigt, wie Freiräume entstehen können, die ökologische Vielfalt fördern, das Stadtklima verbessern und Menschen zusammenbringen. Das sind auch für Frankfurt wichtige Fragen, wenn wir auf die BUGA 2045 schauen und überlegen, wie wir unsere Stadt langfristig gestalten wollen.
Begegnungen wie diese sind wertvoll, weil sich die Herausforderungen für unsere Städte ähneln. Wir müssen unsere Energieversorgung umbauen und uns zugleich auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Dabei hilft es, Erfahrungen zu teilen, kritische Fragen zu stellen, gute Ideen zu übernehmen und weiterzuentwickeln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Herzliche Grüße,
Eure Tina