Freiheitspreis fürs Volk, nicht für den Thron GRÜNE Frankfurt kritisieren Verleihung an Reza Pahlavi
Am 07. November vergibt die Friedrich-Naumann-Stiftung ihren Freiheitspreis 2026 an das Iranische Volk in der Paulskirche. Die GRÜNEN Frankfurt begrüßen diese Würdigung des Freiheitskampfes der Menschen - und vor allem der Frauen - in Iran.
„Die Menschen in Iran zeigen uns Tag für Tag, dass Demokratie und Freiheit es wert sind, für sie zu kämpfen. Besonders die Frauen des Landes haben in den letzten Jahren der Welt und auch uns in Frankfurt vor Augen geführt, dass ihr feministischer Widerstand „Jin-Jiyan-Azadi - Frau-Leben-Freiheit“ eine Inspiration und ein Auftrag für Demokrat*innen weltweit ist“, betont Burkhard Schwetje, Sprecher der GRÜNEN Frankfurt.
Aus diesem Grund sehen die GRÜNEN Frankfurt es kritisch, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung sich entschieden hat, diesen Preis nicht stellvertretend einer Person zu überreichen, die selbst in Iran aktiv Teil der Proteste von 2022/23 oder Januar 2026 war. Ihre Perspektiven und ihr Mut sind für die GRÜNEN Frankfurt zentral in bei diesem Thema. Stattdessen überreicht die Friedrich-Naumann-Stiftung den Preis treuhänderisch an den Sohn des ehemaligen Shahs von Iran, Reza Pahlavi. Dieser lebt seit Kindheitsjahren in den USA.
„Den Freiheitspreis an einen Thronrepräsentanten zu überreichen und nicht an ein*e Repräsentant*in der Demokratieproteste in Iran, stößt vielen Frankfurter*innen zurecht sauer auf. Pahlavi hat sich nie glaubhaft von der Diktatur, den Hinrichtungen und den Repressionen seines Vaters und der Monarchie distanziert. Ihn getrennt von diesem Erbe zu betrachten und zu hofieren, wirft unweigerlich die Frage auf, weshalb ausgerechnet diese kontroverse Persönlichkeit überhaupt legitimiert sein soll, einen Freiheitspreis für ein diverses und zukunftsorientiertes Volk entgegenzunehmen. Die Entscheidung rückt die Leistungen der Menschen in den Hintergrund und verschiebt den dringend notwendigen Fokus von den Menschen in Iran hin zu einem selbsternannten Monarchen. So ehrt man kein Volk, sondern seinen ehemaligen Herrscher“, führt Tara Moradi aus, Sprecherin der GRÜNEN Frankfurt.
In Frankfurt leben zahlreiche Exil-Iraner*innen, viele von ihnen haben Unterdrückung und Verfolgung erlebt und setzen sich in ihrem neuen Zuhause für Demokratie und Frauenrechte ein. Sie sind Teil der starken Frankfurter Zivilgesellschaft. Ihre Geschichten zeugen oftmals von mehrfacher Erfahrung von staatlicher Gewalt, angefangen in der Pahlavi-Diktatur bis 1979 und fortgeführt im islamistischen Regime seither. Sie haben nicht zuletzt unter beiden Regimen Opfer für ihren Kampf erbracht. Die GRÜNEN Frankfurt fordern, diese Perspektiven nicht unsichtbar zu machen im Versuch, ein Volk und sein Streben nach Demokratie und Freiheit zu würdigen.
Darüber hinaus verweisen die GRÜNEN Frankfurt auf den historischen Bezug der Paulskirche zur Demokratie und dem Bestreben, aus einer Feudalgesellschaft zu einem demokratischen Miteinander zu kommen. Mit der Einladung und dem Fokus auf Pahlavi statt auf den Freiheitskämpfer*innen in Iran, veranstaltet die Friedrich-Naumann-Stiftung ohne Zwang eine widersprüchliche Preisverleihung in der Wiege der Demokratie.