Rede zur Wahl des neuen Magistrats
Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
liebe Kolleg:innen,
wie Sie sich sicher vorstellen können, ist dieser Tag für die GRÜNE-Fraktion einer mit gemischten Gefühlen. Wir mussten zwei unserer Dezernent:innen abwählen, das schmerzt. Es ist für uns alle ein harter Schritt, weil beide, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg und Dr. Bastian Bergerhoff mit viel Energie, Herzblut und Einsatz, Großartiges für Frankfurt geleistet haben. Als Demokrat:innen mussten wir diesen Schritt jedoch gehen.
Neben diesem Schmerz sind wir heute aber auch froh. Froh, dass sich nach langen und anstrengenden Verhandlungen in Frankfurt eine Regierung gefunden hat und wir als GRÜNE ein Teil davon sind und dadurch drei grüne Dezernent:innen ihre Arbeit fortsetzen können. Es ist kein Geheimnis, dass wir vier, die wir nun ein „3 plus 1-Bündnis“ bilden, lange um dieses Modell miteinander gerungen haben. Was aber das Wichtigste ist, wir haben es geschafft und können heute eine neue Regierung bilden. Dass 3 plus 1 funktioniert, zeigt sich auch gleich bei den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag. Die Verhandlungen haben bewiesen, dass wir uns in den kommenden Jahren nicht nur inhaltlich auf viele gemeinsame Punkte verständigen können, sondern dass wir alle auch ein gemeinsames Interesse haben, was uns in guter Atmosphäre zusammenarbeiten lässt. Wir alle vier, CDU, SPD, Volt und GRÜNE wollen unsere Stadt voranbringen. Wir stehen vor riesigen Herausforderungen. Dieser Sommer hat auch den letzten Zweifler:innen gezeigt, die Klimakatastrophe wird nicht irgendwann Auswirkungen auf uns haben, sie ist schon längst Realität. In der langen Hitzeperiode mit Temperaturen über 40 Grad kamen selbst gesunde Menschen an ihre Grenzen. Wir müssen deshalb in drei Bereichen noch schneller werden: Klimaschutz, Klimaanpassung, aber auch im konkreten Klimakrisenmanagement. Sei es bei Hitze, Starkregen oder Hochwasser. Das sind ressortübergreifende Herausforderungen. Sie betreffen Gesundheit, Sicherheit, selbstverständlich Klima und Umwelt, aber auch Mobilität, soziales Bauen, Schulen, Wirtschaft, Finanzen, eigentlich alle Dezernate.
Frankfurt zukunftsfähig und krisensicher aufzustellen, schaffen wir vier nur gemeinsam. Ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam tatkräftig angehen werden.
(Beifall)
Das alles wird nicht einfach werden. Kaum jemand in der Frankfurter Bevölkerung zweifelt an den genannten Zielen. Aber um diese Ziele zu erreichen, müssen wir unter anderem das Stromnetz verdreifachen, Fernwärme ausbauen und auch für die Anpassung an Hitze und Starkregen bedarf es Baustellen. Wir müssen auch erkennen, dass Baustellen, mit denen unweigerlich Einschränkungen einhergehen, ebenso ein Zeigen dafür sind, dass es in Frankfurt vorangeht und Frankfurt zukunftsfähig wird.
Weitere große Themen werden sein: bezahlbarer Wohnraum, sicher, komfortable Mobilität, weniger Müll, Schulbau, Leerstandsbeseitigung, das Bahnhofsviertel, eine lebendige Innenstadt und Stadtteilzentren, Bekämpfung von Armut, insbesondere Kinderarmut und vieles andere mehr. Wir vier gemeinsam wollen eins, das Leben in dieser schönen Stadt für alle Frankfurter:innen besser machen.
Was ich bei unseren Verhandlungen auch gemerkt habe, wir alle sind uns einig, dass Frankfurt eine großartige Stadt ist, dass diese Stadt es nicht verdient, schlecht geredet zu werden. Vielmehr müssen wir konkrete Probleme, die es gibt, anpacken. Das hat Frankfurt verdient. Ich freue mich, dass mit Elke Voitl, Tina Zapf-Rodriguez und Wolfgang Siefert drei verdiente grüne Dezernent:innen ihre Arbeit vorsetzen werden. Soziales, Gesundheit und Inklusion sehen wir bei Elke Voitl in den besten Händen. Die Herausforderungen in diesen Bereichen werden nicht weniger. Bekämpfung von Armut in einer reichen Stadt, den Gesundheitssektor in Hinsicht auf die Klimakrise fit zu machen und Teilhabe für alle sind bei Elke weiterhin gut aufgehoben.
(Beifall)
Für die Themen Klima, Umwelt, Frauen und Diversität sehen wir Tina Zapf-Rodriguez sehr gut aufgestellt. Mit den neuen Zuständigkeiten für Diversität und das Frankfurt Immigration Office sehen wir die Chance, dass Tina Frankfurt als Willkommensstadt stärkt.
(Beifall)
Die Zuständigkeit für das Amt für Bauen und Immobilien ist eine große Herausforderung, aber auch eine Chance, städtischen Leerstand zu verringern, energetische Sanierung und vieles mehr in den kommenden fünf Jahren noch stärker voranzubringen. Wir sehen hier mit Wolfgang Siefert jemanden, der diese Herausforderung stemmen kann.
(Beifall)
Wir freuen uns genauso auf die weitere Zusammenarbeit mit Dr. Ina Hartwig, Sylvia Weber, Professor Dr. Marcus Gwechenberger und Eileen O'Sullivan.
Heute haben wir aber nun auch die Wahl von vier neuen hauptamtlichen Dezernenten auf dem Programm. Ich durfte alle vier in den letzten Monaten näher kennenlernen. Auch wenn wir uns in den letzten fünf Jahren als Gegenspieler in Regierung und Opposition gegenüberstanden, zeigte sich in den letzten Monaten, was gute Demokrat:innen ausmacht. Wir haben nun unsere Gemeinsamkeiten zum Wohle der Stadt gesucht und gefunden. Wir haben nun die Chance, Susanne Serke als erste weibliche Kämmerin Frankfurts zu wählen. Susanne Serke steht vor der großen Aufgabe, in finanziell schwierigen Zeiten mit dafür zu sorgen, dass das Geld der Stadt klug und zielgerichtet eingesetzt wird. Susanne ist eine versierte und vermittelnde Repräsentantin des Frankfurter Westens. Von diesen Qualitäten kann nun die ganze Stadt profitieren.
(Beifall)
Wir dürfen Dr. Nils Kößler als Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent für Frankfurt wählen. Dr. Nils Kößler wird vor der großen Aufgabe stehen, den Finanzstandort Frankfurt in einer sich rasant wandelnden Zeit mit multiplen Krisen zu stärken. Nils ist in seiner ruhigen und souveränen Art der Richtige dafür.
(Beifall)
Yannick Schwander steht als Mobilitätsdezernent zur Wahl. Frankfurt wächst und der Straßenraum wird nicht größer. Fläche so zu verteilen, dass alle Menschen sicher, komfortabel und nachhaltig zu ihren Zielen kommen, bleibt eine Herkulesaufgabe. Yannick als vermittelnder und sehr gut organisierter langjähriger Nieder-Erlenbacher Ortsvorsteher wird dies gelingen.
(Beifall)
Die Sicherheit der Stadt können wir heute in die Hände von Martin-Benedikt Schäfer legen. In einer Zeit, in der nicht nur das meteorologische Klima die Blaulichtfamilie herausfordert, sondern auch das zwischenmenschliche Klima extremer wird – keine einfache Aufgabe. Aber Martin-Benedikt, gewissenhaft, zielstrebig und freundlich, wie er ist, wird dies gut meistern.
(Beifall)
Wir wünschen allen vieren eine gute Hand. Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit. Wir wählen heute auch den ehrenamtlichen Magistrat, der weitere wichtige Perspektiven und Expertisen in den Magistrat mit einbringen wird. Ihre Stimme ist in den Magistratssitzungen genauso wichtig wie die der hauptamtlichen Mitglieder. Sie übernehmen und tragen große Verantwortung für unsere Stadt. Auch hier wünschen wir jetzt schon allen, die gewählt werden, eine glückliche Hand.
(Beifall)
Zum Schluss noch ein Wort an alle Demokrat:innen hier im Raum: Frankfurt ist die Stadt der Vielfalt. Lasst uns in den kommenden Jahren als Demokrat:innen zusammenstehen und uns nicht von Antidemokraten die Debatte bestimmen lassen. Ich hatte bereits in den letzten Sitzungen den Eindruck, dass wir hier, ob Demokrat:innen der künftigen Regierung oder in der Opposition, zusammenhalten. Das würde ich mir weiter wünschen. Lasst uns in der Sache hart und fair diskutieren, aber als Demokrat:innen bei Menschenfeindlichkeit und antidemokratischen Haltungen klar und laut gemeinsam Kante zeigen.
Vielen Dank!
(Beifall)
Die Rede wurde im Wortprotokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 27.08.2026 dokumentiert.