Gleichberechtigung muss jeden Tag erkämpft werden
Liebe Freund:innen,
In der vergangenen Woche standen Frauenrechte, Gewaltschutz und Gleichstellungspolitik im Mittelpunkt meiner Termine.
Beim Dyke*March Frankfurt bin ich gemeinsam mit vielen Engagierten für die Sichtbarkeit und Gleichberechtigung von lesbischen Frauen und queeren Menschen auf die Straße gegangen. Der Dyke*March erinnert daran, dass lesbische Perspektiven und Lebensrealitäten auch heute noch häufig übersehen werden – in der Gesellschaft, in Institutionen und oft auch in der Geschichtsschreibung. Sichtbarkeit bedeutet dabei mehr als Präsenz im öffentlichen Raum: Es geht darum, Erfahrungen anzuerkennen, Geschichten zu erzählen und die Vielfalt lesbischen Lebens mitzudenken. Gerade angesichts zunehmender antifeministischer und queerfeindlicher Tendenzen bleibt dies eine wichtige gesellschaftliche und politische Aufgabe.
Bei der Veranstaltung der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention kamen Gleichstellungsbeauftragte und weitere Fachakteur:innen aus Kommunen aus ganz Deutschland zusammen. Im Austausch wurde erneut deutlich, dass sich die Wirksamkeit der Istanbul-Konvention vor allem vor Ort entscheidet: in Frauenhäusern, Beratungsstellen, Verwaltungen, Jugendämtern, Gesundheitsdiensten sowie in der Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz. Damit Frauen wirksam vor Gewalt geschützt werden können, braucht es verlässliche Strukturen, ausreichend Ressourcen und einen klaren politischen Willen auf allen Ebenen.
Der Fachtag Migrantinnen widmete sich in diesem Jahr den Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz in der Sozialen Arbeit. Gemeinsam mit Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis wurde diskutiert, wie digitale Anwendungen den Zugang zu Informationen erleichtern, Sprachbarrieren abbauen und Beratungsangebote ergänzen können. Mein Resümée: Gerade für Frauen in belastenden Lebenssituationen bleiben Vertrauen, persönliche Beratung und menschliche Beziehungen die Grundlage wirksamer Unterstützung. Technologie kann soziale Arbeit nicht ersetzen!
Ein starkes Zeichen internationaler Solidarität setzte die Aktion von Amnesty International vor dem Saudi-Arabischen Konsulat für die Frauenrechtsaktivistin und Fitness-Influencerin Manahel al-Otaibi. Mit einem gemeinsamen Fitness-Workout wurde auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht. Die Aktionsform war bewusst gewählt: Sport und Bewegung stehen für Selbstbestimmung und die Freiheit, über den eigenen Körper zu entscheiden. Für Manahel al-Otaibi wurde genau diese Freiheit zum Anlass staatlicher Verfolgung und langjähriger Inhaftierung. Ihr Fall macht deutlich, dass Frauenrechte weltweit weiterhin verteidigt werden müssen und dass internationale Solidarität dabei eine wichtige Rolle spielt.
Besonders gefreut habe ich mich über das 50-jährige Jubiläum von Frauen helfen Frauen e.V. Frankfurt. Seit fünf Jahrzehnten bietet der Verein Schutz, Beratung und Unterstützung für von Gewalt betroffene Frauen. Das Jubiläum war eine Gelegenheit, die beeindruckende Geschichte des Vereins zu würdigen und zugleich daran zu erinnern, dass Frauenhäuser und Fachberatungsstellen ein unverzichtbarer Teil unserer sozialen und demokratischen Infrastruktur sind.
Mein Fazit dieser bewegten Woche: Die vielen Begegnungen in dieser Woche haben gezeigt, wie groß das Engagement für Frauenrechte und Gleichberechtigung ist. Gleichzeitig wurde einmal mehr deutlich, dass Frauenrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Sie müssen jeden Tag neu verteidigt und gestärkt werden. In Frankfurt, in Deutschland und weltweit. Dass sich in Frankfurt so viele Menschen für Gleichberechtigung, den Schutz vor Gewalt und eine offene, solidarische Gesellschaft einsetzen, ist eine große Stärke unserer Stadt.
Eure Tina