Was Frauengesundheit bedeutet
Liebe Freund*innen,
2026 wurde die chronische Krankheit PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) in PMOS umbenannt: Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom. Für mich ist dieser Schritt weit mehr als eine Namensänderung. Denn endlich wird sprachlich sichtbar, dass es nicht nur um die Eierstöcke und einen unerfüllten Kinderwunsch von tausenden von Frauen geht, sondern um eine komplexe hormonelle und metabolische Erkrankung.
„Ich verschreibe Ihnen eine Ernährungsberatung.“ Diesen Satz habe ich bereits von drei verschiedenen Ärzt*innen gehört. Nur um anschließend dreimal mitgeteilt zu bekommen, dass ich an meiner Ernährung und meinem Sport eigentlich nicht mehr viel verändern kann.
„Wenn Sie die Pille nicht mehr nehmen, dann trocknet Ihre Gebärmutter aus und Sie werden unfruchtbar.“ „PCOS? Ja, davon habe ich keine Ahnung. Aber dafür ist eh ihre Frauenärztin zuständig.“ Seit über zehn Jahren lebe ich mit dieser Erkrankung und seinen Folgen.
Für mich bedeutet PMOS das ständige Gefühl, dass mein eigener Körper gegen mich arbeitet. Unregelmäßige Perioden, hormonelle Schwankungen, Zysten, prämenstruelle Beschwerden, Müdigkeit, depressive Phasen, Unsicherheiten und die Erfahrung, dass der eigene Körper plötzlich nicht mehr so funktioniert, wie man es gewohnt war. Dazu kamen Übergewicht, das scheinbar aus dem Nichts kam, seit über zehn Jahren Bluthochdruck und inzwischen auch eine diagnostizierte Insulinresistenz.
Und als wäre das nicht genug, kommt noch etwas hinzu: der Blick der Gesellschaft auf Frauenkörper. Kommentare von Menschen aus dem eigenen Umfeld. Kommentare von Fremden. Kommentare über Gewicht, Aussehen, Fruchtbarkeit und vermeintlich „gesunde“ Lebensweisen. Irgendwann beginnt man, den eigenen Körper nicht mehr nur als etwas Eigenes zu erleben, sondern als etwas, das ständig bewertet wird.
Doch besonders bitter ist: Selbst wenn ich mich immer wieder zu Ärzt*innen schleppe und Hilfe suche, begegnen mir dort nicht selten Unwissen, Vorurteile und die Reduktion meiner Beschwerden auf mein Gewicht. Und das, obwohl PMOS keine seltene Erkrankung ist. Schätzungsweise eine von acht Frauen ist betroffen. Trotzdem kennen viele Betroffene ihre Diagnose erst nach Jahren und manche Ärzt*innen sie kaum.
Für mich ist das ein riesiges Zeichen des Patriarchats, das uns ins Gesicht brüllt: Frauengesundheit interessiert uns nicht.
Frauengesundheit ist weit mehr als Krebsvorsorge und Schwangerschaftsbegleitung. Es geht um Forschung. Um Diagnosen. Um Stoffwechsel. Um psychische Gesundheit. Um Schmerzen. Um chronische Erkrankungen. Um einen respektvollen Umgang mit unseren Körpern. Und darum, dass Frauen nicht erst dann medizinische Aufmerksamkeit bekommen, wenn es um ihre Fähigkeit geht, Kinder zu bekommen (zugespitzt formuliert).
Als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen wir deshalb eine Medizin, in der Frauen nicht länger ein blinder Fleck bleiben. Wir brauchen mehr geschlechtsspezifische Forschung, bessere Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal und eine Versorgung, die hormonelle, metabolische, psychische und gynäkologische Aspekte zusammendenkt. Wir brauchen außerdem eine Medizin, in der Körpergewicht nicht zur Universalantwort auf jede gesundheitliche Frage wird.
Der September ist PMOS-Awareness-Month. Die Umbenennung von PCOS zu PMOS war überfällig. Aber ein neuer Name und Sichtbarkeit in den Medien allein verändern noch keine Versorgung.
Ich möchte, dass die nächste Frau, die mit ihren Beschwerden in eine Arztpraxis geht, nicht mehr hört: „Davon habe ich keine Ahnung, aber nehmen sie mal die Pille.“ Ich möchte, dass sie ernst genommen und nicht mit einer Aussage wie "Vielleicht akzeptieren sie einfach ihre Situation", allein gelassen wird. Ich möchte, dass sie eine Diagnose bekommt. Dass sie eine Behandlung bekommt.
Und vor allem: Dass sie nicht erst beweisen muss, dass ihr Körper krank genug ist, um Aufmerksamkeit zu verdienen. Wir brauchen keine Medizin, die Frauen beibringt, wie sie ihre Beschwerden aushalten und herunterspielen. Wir brauchen Forschung, Versorgung und Politik, die Frauengesundheit endlich zur Priorität machen.
Liebe, feministische Grüße
Eure Kathi
Beisitzerin im Kreisvorstand