Rede zur Aktuellen Stunde zum Thema Hitzeschutzkonzept
Sehr geehrte Herr Vorsteher,
liebe Kolleg:innen,
41,2 Grad – so heiß war es in Frankfurt noch nie. Das ist keine Wetterlaune, das ist verändertes Klima. Der Juni war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bis Anfang August zählte Frankfurt 31 Hitzetage, im langjährigen Mittel sind es knapp 15 im ganzen Jahr. Das sind nicht nur Zahlen für die Statistik. Das Robert-Koch-Institut schätzt für diesen Sommer rund 15.800 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, davon etwa 2.200 in Hessen. Fast doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2018. Etwa die Hälfte davon sind Menschen über 85. Denn Hitze trifft nicht alle gleich. Sie trifft alte Menschen, die allein in einer Dachgeschosswohnung sitzen. Sie trifft Vorerkrankte, Schwangere, kleine Kinder. Sie trifft Menschen, die sich keine kühle Wohnung leisten können, und Menschen, die gar keine Wohnung haben.
Eine weitere Zahl macht das konkret. Die Feuerwehr rückt normalerweise drei- bis fünfmal am Tag zu einer Notfalltüröffnung aus. Ende Juni waren es 25 an einem einzigen Tag. Hinter jeder dieser Türen war jemand allein. Und was heißt das für die Einsatzkräfte? Statt rund 350 Einsätze am Tag waren es über 500. Viele Tage lang Ausnahmezustand. Feuerwehrchef Röck sagte damals: „Wir kommen sowohl technisch als auch personell an unsere Grenzen.“ Die Einsatzkräfte tragen bei 40 Grad Schutzkleidung, tragen Patient:innen durch Treppenhäuser und arbeiten teilweise in Fahrzeugen, die dafür nie gebaut wurden. Dafür gilt unser Dank der Feuerwehr Frankfurt und den Hilfsorganisationen ASB, DRK, Johanniter und Malteser.
(Beifall)
Und ausdrücklich den Ehrenamtlichen, die nach einem kräftezehrenden Tag in der Hitze noch einmal ein Fahrzeug besetzt haben. 15 zusätzliche Fahrzeuge aus dem Katastrophenschutz sind so auf die Straße gekommen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, das ist gelebte Verantwortung für unsere Stadt.
(Beifall)
Wir hören als GRÜNE-Fraktion deswegen den Ruf der Hilfsorganisationen. Für die Rettungswachen gibt es erste Ansätze, für den Einsatz draußen nur die geschilderten Vorgaben des allgemeinen Arbeitsschutzes. Genau diese Lücke wird von den Hilfsorganisationen benannt. Dieser Sommer war kein Ausreißer, er war ein Vorgeschmack. Deswegen ist es unsere Verantwortung als Stadt, dass wir Klimaschutz und Klimaanpassung zusammendenken. Und Klimaanpassung fängt bei denen an, die im Ernstfall rausfahren, bei über 40 Grad in voller Montur. Wir schulden ihnen mehr als Applaus. Wir schulden ihnen Hitzeschutz mit konkreten Maßnahmen.
Ich freue mich deswegen über die Zusage des Magistrats für 2027, die praktizierten Maßnahmen stärker konzeptionell weiterzuentwickeln, auch wenn wir es nicht Hitzeschutzplan nennen müssen. Wir müssen jetzt das und weitere Klimaschutzmaßnahmen anpacken. Die nächste Hitzewelle wird nicht fragen, ob wir damit schon fertig sind.
Danke schön!
(Beifall)
Die Rede wurde im Wortprotokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 27.08.2026 dokumentiert.