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Rede zur kommunalen Wärmeplanung

Donnerstag, 1.10.2026

Sehr geehrte Stadtverordnetenvorsteherin,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

im vergangenen Plenum haben wir gehört, dass es in Sevilla, Spanien, im Sommer immer schon heiß war, dass die Menschen deswegen dort Klimaanlagen einbauen und mittags Siesta halten. Daran könnten wir uns in Frankfurt ein Beispiel nehmen. Ich habe dann einmal recherchiert, und es ist so, dass es auch in Spanien sehr viele Hitzetote gab. Es wurden Rekordtemperaturen von über 45 Grad erreicht, auch in Sevilla. Auch Spanien litt extrem unter der Hitze dieses Sommers. Übrigens nicht nur die Menschen, es gab auch, genau wie bei uns, schwere wirtschaftliche Schäden. Der Klimawandel wird einfach immer heftiger, wenn man nicht gegensteuert. Es ist ein Irrglaube, zu denken, wenn man nichts tut, dann bleibt alles, wie es jetzt ist. Nein, bleibt es eben nicht. Es würde, wenn wir nicht gegensteuern, immer heißer werden. Wir müssen auch an die Menschen denken, die im Jahr 2050 noch gut leben wollen. Dieses Jahr war bei uns so heiß wie früher in Spanien. In Spanien war es so heiß wie sonst in Afrika. Was soll in 20, 30 Jahren sein? Flüsse trocknen jetzt schon aus. Ich weiß nicht, ob es noch viele mitkriegen, aber der Rhein hat gerade jetzt aktuell schon wieder einen historischen Niedrigwasserstand. Das beeinträchtigt unter anderem auch unsere Wirtschaft. Aber auch der Po in Italien war wieder auf einem Rekordtief. 16.000 Menschen sind in diesem Jahr laut Robert-Koch-Institut in Deutschland an der Hitze gestorben. Die Erträge in der Landwirtschaft gehen zurück. Es kann so nicht weitergehen, aber es wird so weitergehen, wenn wir immer weiter CO 2 in die Atmosphäre blasen. Das heißt, wir müssen irgendwann gegensteuern. Je später wir damit anfangen, desto eher geraten wir in eine Sackgasse, und die Schwierigkeiten und Kosten werden immer höher. Wir können nicht von Frankfurt aus allein die Welt retten, um diesem Gegenargument gleich vorzubeugen, aber wir müssen unseren Anteil leisten. Wir kommen daran nicht vorbei.

(Beifall)

Übrigens bestehen gerade in Deutschland auch große wirtschaftliche Chancen, die darin liegen, bei solchen technischen Entwicklungen selber mit vorne dabei zu sein. Aber klar, es kommen erhebliche Aufwendungen auf uns zu. 14 Milliarden Euro in Frankfurt bis 2045 ist viel Geld. Davon ungefähr neun Milliarden Euro für Gebäudesanierung, drei Milliarden Euro für Fernwärmenetze und zwei Milliarden Euro für dezentrale Anlagen, dann noch der riesige Aufwand, der betrieben werden muss, um die Fernwärmeleitungen zu legen, Straßen, die aufgerissen werden müssen. Es ist leicht, gegen solche Vorhaben zu polemisieren, und ich bin sicher, es werden auch welche tun. Es ist leicht, die Angst der Menschen vor Veränderungen auszunutzen und zu suggerieren, wir könnten einfach alles lassen, wie es ist, oder sogar zurück in die Vergangenheit gehen, und schon würden wir wieder in einer Idylle leben. Deswegen habe ich auch viel mehr Sorgen wegen populistischer Häme gegen den Klimaschutz als wegen der Kritik des Bündnisses Wärmewende für schnelleren Klimaschutz, die ich eigentlich eher als Unterstützung begreife.

Die 14 Milliarden Euro werden übrigens zum großen Teil nicht aus der Stadtkasse kommen. Es ist davon auszugehen, dass es Fördermittel von Bund und Land geben wird. Ein guter Teil der Investitionen wird von privaten Hauseigentümern am eigenen Eigentum investiert werden, und es wird sich für die Menschen dauerhaft auszahlen.

Fernwärmenetze bieten die Möglichkeit, Wärme, die man zentral an einem Ort erzeugt hat, zu transportieren und zu verteilen. Wenn man eine große Flusswärmepumpe, um nur ein Beispiel zu nennen, sinnvoll betreiben will, muss man die erzeugte Wärme auch verteilen können. Genauso wie wenn man Geothermiewärme im großen Stil zentral erzeugt. Ohne Fernwärmenetz müsste man an jedem Gebäude einzelne Maßnahmen zur Dekarbonisierung treffen, was viel aufwendiger wäre. Unsere kommunale Wärmeplanung hat sich die Dekarbonisierung zum Ziel gesetzt und beruht auf vier Säulen. Das ist die Flusswärmepumpe, von der ich schon gesprochen habe. Sie wird nicht direkt im Main stehen, sondern wird die Wärme des Abwassers der Kläranlage nutzen. Es ist das Biomassekraftwerk in Fechenheim, was schon lange existiert, jetzt aber über Fernwärmeleitungen angeschlossen wird. Es geht um die Abwärme von Industrie- und Rechenzentren. Es geht um Geothermie, auch darüber haben wir hier schon gesprochen. Dazu kommen noch kalte Nahwärmenetze dort, wo das sinnvoll ist, und vor allem natürlich kleine private Wärmepumpen in den Randbezirken, wo Fernwärmenetze nicht wirtschaftlich aufgebaut werden können.

Alle Szenarien der kommunalen Wärmeplanung führen aus den fossilen Brennstoffen hinaus. Alle führen auch aus dem Gas hinaus. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir dabei aber auf Rahmenbedingungen angewiesen sind, die nicht einfach ignoriert werden können. Je nachdem, wie diese Rahmenbedingungen gestaltet werden, wird die Fernwärme ausgebremst oder beschleunigt, zum Beispiel die Strompreise. Es geht darum in Deutschland die Strompreise zu senken, und da gehört zum Beispiel eine Stromsteuer dazu, deren Senkung viel sinnvoller wäre als dieser komische Tankrabatt.

(Beifall)

Dieser Tankrabatt bevorzugt nur die Autos, während uns die Strompreise alle betreffen. Je billiger der Strom ist, desto mehr rechnet sich eine Wärmepumpe. Wichtig ist auch, wie schnell der Bau neuer Stromleitungen und Umspannwerke vorankommt. Wir werden in Frankfurt doppelt so viel Strom brauchen. Ohne den können wir keine Wärmepumpe betreiben. Da können wir noch so tolle Wünsche in die Planung schreiben. Wenn kein Strom da ist, um das umzusetzen, dann wird das nichts. Wir bewegen uns da ein Stück weit im Ungewissen, weil wir diese Rahmenbedingungen nicht genau vorhersagen können. Gleichzeitig möchten wir aber mit unserer Wärmeplanung Hausbesitzer:innen die Möglichkeit geben, ablesen zu können, ob und ab welchem Zeitpunkt sie mit dem Zugang zur Fernwärme rechnen können. Vor dem Hintergrund der geschilderten Ungewissheiten wäre es hochgradig unseriös, eine Planung vorzulegen, die das Blaue vom Himmel verspricht, am Ende dann aber keine belastbare Grundlage darstellt, im Gegenteil, die Menschen sogar in die Irre führt. Das heißt nicht, dass wir uns vom Ziel 2035 verabschieden. Wir machen mit unserer kommunalen Wärmeplanung deutlich, dass wir die Dekarbonisierung, den Ausstieg aus dem Erdgas, so schnell wie möglich vorantreiben wollen. Dafür bitte ich um die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung.

Vielen Dank!

(Beifall)

Die Rede wurde im Wortprotokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 01.10.2026 dokumentiert.