UHRZEIT 18 Uhr: Maghreb Matters – Marokko
Im Schatten der regionalen Konflikte und globalen Krisen ist Marokko für die Europäische Union und Deutschland zu einem unverzichtbaren Partner in Nordafrika geworden. Das Königreich ist zweitgrößter Handelspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent und zugleich ein wichtiger Kooperationspartner in Energie- und Migrationsfragen, bei der Fachkräfteeinwanderung und der Terrorismusbekämpfung.
Was sich im Land abspielt, erhält in Deutschland dennoch oft nur punktuell Aufmerksamkeit. Das änderte sich Ende Juli 2026: Zehntausende junge Marokkaner*innen versuchten die spanische Exklave Ceuta zu erreichen. Die Ereignisse dominierten über Tage die Schlagzeilen. Die meisten von ihnen kehrten zurück, doch was blieb waren über 80 Todesopfer und die Hoffnungslosigkeit der marokkanischen Jugend. Trotz der wachsenden Wirtschaft wollen viele das Land verlassen – es fehlt ihnen an Perspektiven, Teilhabe und Selbstbestimmung.
Bereits im September 2025 hatten sich Tausende Jugendliche zunächst auf der Online-Plattform Discord organisiert und anschließend mit Forderungen nach mehr Transparenz und Reformen im Bildungs- und Gesundheitssystem die Straßen erobert. Die Regierung setzt dagegen stark auf die Fußballweltmeisterschaft 2030 in ihrem Land als Motor für Modernisierung und internationale Sichtbarkeit. Die Investitionen in die damit verbundenen Infrastrukturprojekte ist immens: Landesweit entstehen neben dem Ausbau der Sportinfrastruktur neue Autobahnen, eine Hochgeschwindigkeitstrasse und Tiefseehäfen. Gleichzeitig stellen die hohe Jugendarbeitslosigkeit, ein beträchtliches regionales Einkommensgefälle und die bedrohliche Wasserknappheit die politische Führung vor massive Herausforderungen. Hinzu kommen strukturelle Probleme im Gesundheits- und Bildungssystem, die durch die Pandemie verschärft wurden.
Am 23. September 2026 wählen die marokkanischen Bürger*innen ein neues Parlament. Eine Woche nach dem Urnengang und ein Jahr nach den Gen Z-Protesten diskutieren wir mit Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aus Marokko, was das Königreich bewegt. Welche Trends lassen sich aus den Parlamentswahlen ableiten? Welche Probleme sollte die neue Regierung prioritär angehen und wie lassen sich die strukturellen Probleme im Gesundheits- und Bildungssystem bewältigen? Wie kann die gesamte Bevölkerung von der Entwicklung des Landes profitieren? Wie können Marokko, Deutschland und die EU ihre strategische Partnerschaft nutzen, um Reformen voranzutreiben? Und was bedeutet die Entwicklung Marokkos für die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik? Weitere Infos zu der Veranstaltung findet ihr hier.
Online