Hilfe darf kein Luxus sein – meine Erfahrungen aus der Wahlkreiswoche
Liebe Freund*innen,
gespart wird gerade dort, wo Menschen Halt finden: in der Beratung, in der Begleitung, in der sozialen Arbeit vor Ort. Das zog sich wie ein roter Faden durch meine Gespräche in dieser Wahlkreiswoche. Der Bedarf steigt, aber die Mittel sinken.
Beim Hintergrundgespräch mit der AWO ging es um das Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“. Statt bisher 18 Millionen Euro soll es nur noch 700.000 Euro bekommen. Das sind rund 96 Prozent weniger. Für viele Menschen, die dringend auf dieses Programm angewiesen sind, bedeutet das eine spürbare Verschlechterung.
Ähnlich geht es den Jugendmigrationsdiensten. Sie bekommen seit Jahren immer weniger Geld, obwohl ihre Arbeit so wichtig ist. Beide Kürzungen treffen vor allem junge Menschen mit Migrationsgeschichte. Wenn ihre Unterstützung wegbricht, werden sie zunehmend benachteiligt und diskriminiert. Wie viel diese Arbeit bewirkt, hat die Eröffnung der Ausstellung „Youniworth“ der Jugendmigrationsdienste gezeigt. Dort teilen junge Menschen ihre persönlichen Erfahrungen, und die Ausstellung schafft Räume für Begegnung und Austausch. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Mehr Informationen findet ihr hier.
Ein weiteres Beispiel für Kürzungen an der falschen Stelle habe ich beim Grußwort für „Rainbow Stories“ im DFF angesprochen. Das Bundesinnenministerium will im Haushaltsentwurf 2027 die Mittel für die unabhängige Asylverfahrensberatung von 24,5 auf 5 Millionen Euro senken. Von rund 210 Standorten blieben 40. Für queere Geflüchtete ist diese Beratung oft die Voraussetzung, um vor einer Behörde überhaupt über ihre Fluchtgründe sprechen zu können. Das gilt gerade für Menschen aus der Türkei, wo seit Mitte September Razzien gegen queere Vereine laufen und die Pride in Istanbul seit 2015 verboten ist. Wer hier spart, zahlt später drauf: Fehlentscheidungen im Asylverfahren landen vor Gericht und kosten Jahre.
Mein Fazit aus dieser Woche: Beratung und soziale Arbeit sind kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leistet. Sie halten unsere Gesellschaft zusammen. Dafür setze ich mich in den Haushaltsberatungen ein.
Hörtipp der Woche: „Nicht mehr mein Land – In der Manosphere“
In der zweiten Staffel des Podcasts taucht Ali Gutsfeld in die Manosphere ein. Das ist eine Online-Welt, in der Männlichkeitsgurus wie Andrew Tate jungen Männern Erfolg, Geld und Stärke versprechen. Er trifft Männer, die dort Orientierung suchen und dabei bei Frauenhass, Verschwörungserzählungen und rechten Populist*innen landen. Und er zeigt, wie sehr sich die AfD inzwischen deren Sprache bedient. In fünf Folgen wird verständlich, warum diese Inhalte so viele erreichen, und es geht um die Frage, wie man da wieder herauskommt.
Herzliche Grüße
Eure Debbie