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Grüne Woche KW 36 - KW 36/2026

Die Gruene Woche

Liebe Freund*innen,

vor ein paar Wochen hatte ich eine Diskussion mit Freund*innen über die neuen Euro-Banknoten. Wir waren uns alle einig, dass uns die Brücken auf den alten Scheinen gut gefallen und dass wir sie vermissen werden, auch wenn sie fiktiv sind und nur symbolisch für die Verbindung und den Zusammenhalt der Länder innerhalb der Europäischen Union stehen.

Am Tisch haben wir auch darüber gesprochen, dass wir gerade besorgt sind, weil wichtige Brücken innerhalb unserer Gesellschaft ziemlich bröckeln.

Daran musste ich letztes Wochenende auf dem Weg nach Rostock denken, als wir zum Wahlkampf gefahren sind. Eigentlich hatte ich in den vergangenen Tagen viele Gelegenheiten, über Brücken nachzudenken. Denn die gesellschaftliche Debatte scheint gerade viel stärker auf Gegeneinander als auf Miteinander ausgerichtet zu sein. Die Gründe kennen wir alle: Krisen, die längst zum Dauerzustand geworden sind, und rechte Narrative, die mit immer neuen Feindbildern arbeiten und zunehmend salonfähig werden.

Menschen ausgrenzen, Brücken zerstören, Spaltung säen. Die Rezeptur des Zerstörens ist erstaunlich banal. Manchmal fühlt es sich an, als würde das Gemeinsame nicht mehr funktionieren. Als müssten wir uns ständig entscheiden: für das eine und gegen das andere.

Und es gibt so viele Beispiele dafür, dass ich mich fast schon daran gewöhnt habe.

Spätestens seit der Bundestagswahl 2021 wird uns erzählt, wir müssten uns zwischen Klimaschutz und wirtschaftlichem Erfolg entscheiden. Es ist erschreckend, wie viele Politiker*innen einen konsequenten Kurs in Richtung mehr Klimaschutz ablehnen, weil er angeblich „nur den GRÜNEN nützt“. Und ich habe Angst, dass auch die verheerenden Waldbrände dieses Sommers von vielen als Ausnahme, als etwas Besonderes wahrgenommen werden. Denn angesichts der Tatsache, dass wir aktuell unsere Klimaziele verfehlen, war an diesen Waldbränden leider nichts außergewöhnlich.

Diese „Entweder-oder“-Narrative geht weiter: Wir sollen uns zwischen Autos und Fahrrädern entscheiden. Als könnten wir nicht gleichzeitig gute Mobilität für alle ermöglichen. 

Als die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals auf über 20 Prozent kam, wurden Witze darüber gemacht, das Bundesland könne sich doch gleich Russland anschließen. Die verbliebenen 80 Prozent fanden das wahrscheinlich weniger lustig. Und in diesem Sommer habe ich viele Kommentare dazu gelesen, was man mit dem Geld, das in die World Design Capital Frankfurt fließt, alles andere hätte machen können. Als wären Investitionen in Kunst, Kultur und öffentlichen Raum überflüssig, weil es schließlich „wichtigere Probleme“ gibt.

Dabei hat dieses Denken System. Ein „Entweder-oder“ ist emotionaler und polarisierender als ein „Und“. Es erzeugt mehr Aufmerksamkeit, mehr Reichweite und mehr Klicks. Es ist einfach, die Welt in Fronten aufzuteilen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben können.

Nur: So funktioniert die Welt meistens nicht. In den wenigsten Fällen ist etwas wirklich schwarz oder weiß. Gute Lösungen entstehen oft gerade dort, wo wir verschiedene Dinge zusammen denken: Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke. Fahrräder und Autos. Kunst und soziale Verantwortung. Sicherheit und Inklusion.

Ich bin überzeugt: Wir brauchen mehr Brücken. Mehr Orte und Gelegenheiten, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen: gerade dann, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Das ist komplizierter als ein „Entweder-oder“. Aber unsere Welt ist nun einmal kompliziert. Und vielleicht ist es genau diese Komplexität, die wir wieder stärker aushalten müssen.

Auch deshalb fand ich unsere Haustürgespräche in Rostock so beeindruckend. Viele Menschen haben uns erzählt, dass sie zum ersten Mal strategisch ihre zwei Stimmen an zwei verschiedene Parteien geben würden, damit auch eine progressive Regierung möglich wird.

Dort, wo manche Brücken kaputt machen, bauen andere neue. Statt den Osten abzuschreiben, was natürlich im Sinne der Rechtsradikalen wäre, sollten wir den Austausch vertiefen. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir die Partnerschaft mit dem Kreisverband Leipzig vertiefen werden und uns darüber bei der KMV am 26.09. austauschen können. Und ich freue mich sehr, viele von euch auf der Demo des Bündnis’ gegen Rechtsextremismus am 06.09. um 18:00 Uhr am Römer zu sehen, damit wir gemeinsam mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ein Zeichnen für Zusammenhalt setzen.

Denn genau das ist es, was Demokrat*innen tun sollten, wenn unsere Demokratie angegriffen wird: neue Brücken bauen. Dieses Thema beschäftigt mich auch in meiner Arbeit als Architektin. Ich glaube, dass gute Gestaltung genauso Teil einer nachhaltigen Stadt sein sollte wie entsiegelte Flächen. Ein gut gestalteter öffentlicher Raum kann Akzeptanz schaffen, Vandalismus reduzieren und das Sicherheitsgefühl erhöhen.

Auch hier gilt für mich: Das eine schließt das andere nicht aus. Es ergänzt sich und macht den Raum besser. Und als Grüne bin ich überzeugt, dass wirtschaftliche Stärke und Klimaschutz zusammengehören. Ja, Klimaschutz kostet Geld. Aber Nichtstun kostet uns langfristig sehr viel mehr.

Vielleicht haben diese Gedanken auch mit meiner eigenen Biografie zu tun. Ich habe zwei Länder, zwei Sprachen, in denen ich denke, und zwei Pässe. Ich finde es essenziell, dass beides zu mir gehört und ich mich dank der Europäischen Union nie entscheiden musste. Vielleicht ist genau das für mich die schönste Form einer Brücke: nicht zwischen zwei Dingen wählen zu müssen, sondern beides miteinander verbinden zu können.

Und genau das würde ich uns allen wünschen:
Mehr Verbindungen.
Mehr „Und“ statt „Entweder-oder“.

Solidarische Grüße

Eure Desislava

Beisitzerin im Vorstand

Die Themen:

Tony-Sender-Preisträgerin Dörthe Jung ist tot „Wir trauern um eine prägende Stimme der Frankfurter Frauenpolitik“

Tony-Sender-Preisträgerin Dörthe Jung ist tot „Wir trauern um eine prägende Stimme der Frankfurter Frauenpolitik“

Die Frankfurter Frauenrechtlerin Dörthe Jung ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Seit den 1970er Jahren hat sie sich in Frankfurt und weit darüber hinaus als Wissenschaftlerin, Publizistin, Beraterin und politische Impulsgeberin für die Gleichstellung von Frauen eingesetzt.

„Dörthe Jung hat die Frankfurter Frauenpolitik über Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet. Sie war eine Vordenkerin, eine Kämpferin und eine Frau, die immer darauf bestanden hat, dass Erkenntnisse in politische und gesellschaftliche Praxis übersetzt werden“, sagt Frauendezernentin Tina Zapf-Rodríguez.

In den 1980er Jahren war Dörthe Jung als persönliche Referentin der ersten Frankfurter Frauendezernentin entscheidend an der institutionellen Verankerung der Frauenpolitik im Frankfurter Römer beteiligt, als Pionierin und erste Büroleiterin auch an der Gründung von Frauendezernat und Frauenreferat.

„Dörthe Jung war prägende Gestalt der autonomen Frauenbewegung nach 1968. Die breite Verankerung von Frauenprojekten wäre ohne sie in unserer Stadt kaum denkbar“, so Frauendezernentin Tiny Zapf-Rodriguez. „Sie hat entschieden und konsequent mit ihrem genderpolitischen Engagement den Diskurs weit über die Stadtgrenzen hinaus belebt und beeinflusst“.

2011 wurde Dörthe Jung für ihr jahrzehntelanges frauen- und genderpolitisches Engagement mit dem Tony-Sender-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

Die langjährige Bürgermeisterin und ehemalige Frauendezernentin Jutta Ebeling würdigte die Preisträgerin damals in ihrer Laudatio als “Impulsgeberin und Mitgestalterin zahlreicher Frankfurter Frauenprojekte, die damit Strukturen geschaffen habe, die bis heute die Bildungs- und Beratungslandschaft der Stadt prägen.“

„Wir verlieren eine starke und kluge Frau, deren Spuren in unserer Stadt und in der Frauenpolitik weit über ihre eigene Zeit hinaus sichtbar bleiben. Gerade in einer Zeit, in der Errungenschaften der Gleichstellung wieder unter Druck geraten, werden wir ihre Stimme, ihre Klarheit und ihre Beharrlichkeit vermissen“, so Tina Zapf-Rodríguez.

Petition fordert Einsatz des Landes Hessen für ein AfD-Verbot

Hybride Angriffe // Lage im Iran // Bundesliga-Kolumne // Mein neues Buch „Empört euch nicht!“ // 20 Jahre im Bundestag

Hybride Angriffe // Lage im Iran // Bundesliga-Kolumne // Mein neues Buch „Empört euch nicht!“ // 20 Jahre im Bundestag

Hybride Angriffe: Wir lassen uns nicht einschüchtern

Die Botschaft allen Handelns muss klar sein: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Es braucht unmissverständliche Stoppschilder. Die Regierung muss auf Angriffe eindeutig antworten. Die Konsequenzen müssen spürbar sein: Sanktionen, Stopp von Geldern, Einfrieren von Vermögen und eine verstärkte Unterstützung der Ukraine. Denn dort entscheidet sich die Sicherheitsfrage für ganz Europa. Mehr dazu hört ihr im Deutschlandfunk. 

Zur aktuellen Lage im Iran

Der US-Präsident und das iranische Regime veranstalten gerade miteinander eine Art Limbo, einen dauerhaften Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden, der die Ölpreise oben hält. Das schadet den Menschen im Iran und auch unseren Interessen. Über die aktuelle Lage im Iran und die Frage, wie es dort weitergehen kann, habe ich mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gesprochen. 

Nouripours Bundesliga-Blick: Meine Fußballkolumne

Wenn Infantino so weitermacht, dann ist der Fußball bald eine bedrohte Art. Noch ist es aber zum Glück nicht so weit. Also genießen wir doch mal diesen wunderbaren Sport mit dem Start der Bundesliga und meiner neuen Bundesliga-Kolumne bei web.de. 

Mein neues Buch „Empört euch nicht!“

Mein neues Buch handelt von einer Debattenkultur, in der Empörung oft lauter ist als das Argument. Und davon, wie wir wieder besser miteinander ins Gespräch kommen. „Empört euch nicht!“ erscheint am 1. Oktober und kann ab sofort vorbestellt werden.

20 Jahre im Deutschen Bundestag

Seit dem 1. September 2006 bin ich Mitglied des Deutschen Bundestages, nachgerückt für Joschka Fischer. In diesen 20 Jahren durfte ich über 200 Reden im Bundestag halten. Ich danke allen, die mich in diesen zwanzig Jahren begleitet haben.

Die nächsten Stadtteilgruppentreffen

Stadtteilgruppen Uebersichtsbild

Wir haben 16 Stadtteilgruppen, die eigenständig organisiert sind und maßgeblich beim Wahlkampf durch Organisation von Ständen und Haustürwahlkampf unterstützen. Lernt Grüne in euren Stadtteilen kennen und seht, wie ihr euch engagieren könnt:

STG 1: 24.09., 19 Uhr, Treffpunkt wird noch bekannt gegeben

STG 2: 10.09., 19:30 Uhr, Restaurant Lilium, Leipziger Str. 4, separater Raum im Untergeschoß

STG 3: 15.09., 19 Uhr, Eckhaus in der Bornheimer Landstraße 45

STG 4: TBA

STG 5: 14.09., 19:30 Uhr, Haus der Jugend Kleiner Saal, Deutschherrnufer 12, 60598 Frankfurt

STG 6: TBA

STG 7: TBA

STG 8: 09.09., 19 Uhr, Clubhaus, Wenzelweg 21

STG 9: TBA

STG 10: TBA

STG 11: TBA

STG 12: 07.09., 20 Uhr, Dessauer (Jugendhaus Riedberg)

STG 13: 15.09., 20 Uhr, Bürgerhaus Nieder-Erlenbach

STG 14: TBA

STG 15: TBA

STG 16: 09.09., 19:30 Uhr, Ort auf Anfrage über info@gruene-bergen-enkheim.de

Die Termine: