Grüne Woche - KW 44/2025
Liebe Freund*innen,
in den letzten Wochen gab es leider wieder viele schlechte Nachrichten aus Berlin. Um nur drei zu nennen: Die Bundeswirtschaftsministerin hält an ihren Gaskraftwerken fest; die Koalition hat keinen Plan zum Wehrdienst; und die geplante Reform des Bürgergeldes steht sinnbildlich für populistische Politik.
Ich muss ehrlich sagen: In letzter Zeit fällt es mir schwer, Nachrichten zu lesen. So bedrückend und frustrierend ist das alles. Und als wäre das nicht genug, schafft es der Bundeskanzler mit seinem populistischen „Stadtbild“-Kommentar, gleichzeitig Menschen mit Migrationsgeschichte, Frauen und letztlich den gesunden Menschenverstand zu beleidigen. Die Empörung darüber war berechtigt und notwendig.
Doch im Sturm dieser schlechten Nachrichten ging eine weitere, kaum beachtete Meldung völlig unter: das sogenannte Bau Turbo-Gesetz, das der Bundestag Mitte Oktober verabschiedet hat.
Worum geht es?
Kurz gesagt: Mit dem „Bau-Turbo-Gesetz“ (Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und der Wohnraumsicherung) will die Bundesregierung durch zunächst befristete Gesetzesänderungen den Wohnungsbau beschleunigen.
An sich ist das ein richtiges Ziel. Wir sind uns alle einig, dass die schnelle und kontinuierliche Schaffung und Erhaltung von bezahlbarem Wohnraum dringend nötig ist. Doch das Gesetz hat einen entscheidenden Haken: In seiner jetzigen Form löst es keines der bestehenden Probleme, sondern schafft eher neue.
Was ist das Problem?
Das Gesetz soll Bürokratie bei Bauvorhaben abbauen. In Anbetracht der über 20.000 Bauvorschriften, die in Deutschland existieren, ein nachvollziehbares Anliegen. Doch anstatt die technischen Bauvorschriften tatsächlich zu vereinfachen, erlaubt das Bau-Turbo-Gesetz lediglich die Planung von Wohnprojekten außerhalb bestehender Ortsteile und ohne Bebauungsplan. Auf die Baukosten hat dies überhaupt keine Wirkung, sehr wohl aber auf den demokratischen Prozess: denn Bebauungspläne werden in Zusammenarbeit mit Ortsbeiräten ausgearbeitet und im Stadtparlament beschlossen. Im Umkehrschluss bedeutet die Änderung konkret: Stadtgestaltung ohne Bürger*innenbeteiligung.
Dazu kommt: Wenn eine Kommune nicht innerhalb von zwei Monaten auf einen Bauantrag reagiert, gilt ihre Zustimmung automatisch als erteilt. Wie die ohnehin chronisch unterbesetzten Kommunen dies bewältigen sollen, bleibt offen. Das heißt weniger Kontrolle und Mitspracherecht.
Zudem unterscheidet das Gesetz nicht zwischen Stadt und Land. Es erlaubt im schlimmsten Fall die Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen in Bauland und schafft gutes Klima für Spekulation, steigende Bodenpreise und noch mehr Druck auf die Kommunen.
Die größte Schwachstelle ist jedoch die Tatsache, dass sämtliche soziale Aspekte gar nicht vorkommen. Das Bau-Turbo-Gesetz enthält keine Verpflichtung, sozialen oder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das Gesetz hat somit keinerlei soziale Wirkung.
Als Architektin macht mich das Bau-Turbo-Gesetz fassungslos. Es verteilt nach dem Gießkannenprinzip neue Wohnungsbaumöglichkeiten, ohne die eigentlichen Ursachen der Wohnungsnot anzugehen. Das Gesetz nützt vor allem den Investoren und nicht den Menschen, die bezahlbaren Wohnraum brauchen. Die Probleme des Wohnungsmarkts sind komplex und vielschichtig. Wer das ignoriert, kann sie nicht lösen. Es gibt nicht die eine Zauberlösung, um Wohnraum zu schaffen. Und der Markt allein hat die Wohnungsnot noch nie gelöst, auch wenn die Bundesregierung offenbar das Gegenteil glaubt.
Was bedeutet das für Frankfurt?
Die Zahlen sind eindeutig: Bis 2030 werden in Frankfurt rund 60 000 Wohnungen fehlen.
Wir GRÜNEN akzeptieren diesen Zustand nicht. Wohnen ist ein Menschenrecht. Ohne sicheres Wohnen haben die Menschen in Frankfurt keine Zukunft.
Darum wollen wir mit unserem Kommunalwahlprogramm sicherstellen, dass Wohnen in Frankfurt wieder bezahlbar wird. Im Unterschied zu anderen Parteien haben wir eine klare Vision: sozial gerechtes, nachhaltiges und modernes Wohnen für alle.
Das bedeutet konkret z.B: Bürokratie abbauen, ohne soziale Standards aufzugeben; Fördermittel gezielt und wirkungsvoll einsetzen; konsequent gegen Leerstand vorgehen; alternative Wohnformen stärken und Flächen zum Bau geförderter Wohnungen bereitstellen.
Wir haben den Mut, die Vision und die Entschlossenheit, das umzusetzen.
Eure Desislava
Beisitzerin im Kreisverband
Die Themen:
Reminder: Programm-KMV am Samstag, 8.11.2025
Rat und Orientierung für 4.500 Menschen
Seit der Eröffnung am 29. Oktober 2024 ist das Frankfurt Welcome & Information Center (FWIC) zu einer festen Anlaufstelle für Ratsuchende geworden. Das im Amka in der Mainzer Landstraße 293 angesiedelte FWIC bietet niedrigschwellige Orientierung – von mehrsprachigen Online-Informationen bis hin zu Veranstaltungen vor Ort. Bisher haben mehr als 4.500 Menschen das Orientierungsangebot in Anspruch genommen – persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Gefragt waren vor allem Informationen zum Aufenthalt, zu Arbeit und Ausbildung, zu Wohnen, sozialen Leistungen und Teilhabe am städtischen Leben. Am Format „Beratungen vor Ort“ haben zusätzlich mehr als 500 Ratsuchende teilgenommen. Wir konnten bereits mit über 30 Institutionen konkrete Kooperationen aufbauen. Das FWIC ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr geöffnet. Es ist telefonisch unter (069) 212-41515 oder per E-Mail an amka.info@stadt-frankfurt.de erreichbar. Weitere Infos unter: www.frankfurt-welcome-information-center.de. Meine Pressemitteilung zum Thema findet Ihr hier.
Medizinische Hilfe direkt auf der Straße
Liebe Freund:innen,
die Johanniter haben mit meiner Unterstützung ein Konzept entwickelt, um im Bahnhofsviertel unsere medizinische Erstversorgung auf der Straße weiter zu verbessern: der Pflasterlaster. Er ist seit diesem Monat unterwegs und ergänzt unsere aufsuchende Straßenmedizin. Gemeinsam sorgen wir so dafür, dass Menschen an medizinische Hilfe kommen, die sonst keine Chance dazu hätten. Das ist angewandte Gesundheits- und Sozialpolitik, die Wirkung zeigt! Einen Bericht von meinem abendlichen Besuch des Pflasterlasters findet Ihr hier.
Eure Elke
GRÜNE im Landtag fordern endlich die Besetzung des unabhängigen Polizeibeauftragten
„Frauen, Frieden und Sicherheit“ muss ein zentrales Element moderner Außen- und Sicherheitspolitik bleiben
Liebe Freund*innen,
am 31. Oktober 2000 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1325. Damit wurden die UN-Mitgliedsstaaten und insbesondere Konfliktparteien aufgefordert, die Rechte von Frauen zu schützen und sie gleichberechtigt in Friedensverhandlungen, Konfliktlösung und Wiederaufbauprozesse einzubeziehen. 25 Jahre später erleben wir jedoch zunehmende Angriffe auf feministische Errungenschaften, Antidiskriminierungsmaßnahmen und die Gleichstellung der Geschlechter. Gleichzeitig nehmen gewaltsame Konflikte weltweit zu, während demokratische Institutionen unter Druck geraten.
Auch in Deutschland und der Europäischen Union erstarken Kräfte, die sich gegen feministische Ansätze in der Innen-, Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik stellen. Auch die Bundesregierung hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert: So wurden etwa die Leitlinien für eine feministische Außenpolitik von der Website des Auswärtigen Amtes entfernt und führende Positionen im Kanzleramt, im Auswärtigen Amt und im Verteidigungsministerium überwiegend mit Männern besetzt. Sie zeigt auch, dass ihr alle Mittel zum Zweck recht sind, indem sie Verhandlungen mit den Taliban in Kauf nimmt, die systematisch die Entrechtung von Frauen und Mädchen in Afghanistan vorantreiben, um ihre Abschiebepolitik durchzusetzen.
Für uns Grüne ist klar: Die Agenda „Frauen, Frieden und Sicherheit“ muss ein zentrales Element moderner Außen- und Sicherheitspolitik bleiben und dafür machen wir uns stark.
Zum 25-jährigen Jubiläum veranstaltet die Heinrich-Böll-Stiftung am Freitagnachmittag eine Diskussionsveranstaltung mit Stimmen aus dem Südsudan und Georgien, der deutschen Zivilgesellschaft, den Vereinten Nationen und der Europaabgeordneten Hannah Neumann. Ihr könnt die Veranstaltung auch hier im Livestream verfolgen.
Herzliche Grüße
Euer Team Debbie
Wadephul sagt Chinareise ab // 80 Jahre UN // Taliban nicht anerkennen
Wadephul sagt Chinareise ab
Gerade in schwierigen Zeiten ist es entscheidend, die Gesprächsfäden mit China nicht abreißen zu lassen. In der internationalen Diplomatie gibt es wenig Raum für Beleidigtsein.
Gerade in schwierigen Zeiten ist es entscheidend, die Gesprächsfäden mit China nicht abreißen zu lassen. In der internationalen Diplomatie gibt es wenig Raum für Beleidigtsein – Deutschland sollte jetzt den strategischen Dialog mit Peking suchen, statt sich in symbolischen Absagen zu verlieren. Nur im direkten Austausch können wir über fairen Wettbewerb, kritische Rohstoffe und regionale Sicherheit sprechen. Zu diesem Thema sprach ich mit web.de.
80 Jahre Vereinte Nationen
Am 24. Oktober 1945 wurden die Vereinten Nationen (UN) gegründet. 80 Jahre später ist ihre Grundidee aktueller denn je. Wie Dag Hammarskjöld einst mahnte: „Die Vereinten Nationen wurden nicht geschaffen, um die Menschheit in den Himmel zu führen, sondern um sie vor der Hölle zu retten.” Der Kampf um Frieden, Freiheit und Menschenrechte ist die Aufgabe aller in der Staatengemeinschaft.
Taliban nicht anerkennen
Während weiterhin Tausende Afghan*innen mit von Deutschland erteilten Aufnahmezusagen in Pakistan ausharren, setzt die deutsche Politik auf Abschottung, bürokratische Hürden und Kooperation mit den Taliban. Die Taliban sind Terroristen, die rücksichtslos morden, die Unterzeichnung eines offiziellen Abkommens wäre der letzte Schritt zur Anerkennung dieses skrupellosen Terrorregimes und ein beispielloser Fehler. Daher haben Bahar Haghanipour und ich einen Antrag zur 51. Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover eingereicht. Mehr dazu könnt ihr auf t-Online lesen.
Die nächsten Stadtteilgruppentreffen
Wir haben 16 Stadtteilgruppen, die eigenständig organisiert sind und maßgeblich beim Wahlkampf durch Organisation von Ständen und Haustürwahlkampf unterstützen. Lernt Grüne in euren Stadtteilen kennen und seht, wie ihr euch engagieren könnt:
STG 1: TBA
STG 2: 13.11., 19:30 Uhr, Restaurant Lilium, Leipziger Str. 4, separater Raum im Untergeschoß
STG 3: 4.11., 19 Uhr, Ort wird noch bekannt gegeben
STG 4: 18.11., 20 Uhr, Taverne Nico, Saalburgalle 1
STG 5: 10.11., 19:30 Uhr, Apfelweinwirtschaft Dauth-Schneider
STG 6: 5.11., 19 Uhr, Kulturraum B25, Brüningstr. 25 in Höchst
STG 7: TBA
STG 8: TBA
STG 9: 1.11., 11 Uhr, Haus Dornbusch, Raum Bertramshof (Listenaufstellung Ortsbeirat)
STG 10: TBA
STG 11: TBA
STG 12: 20.11., 19 Uhr bis 20.11., 22 Uhr, Ort wird noch bekannt gegeben (Vorstellung Abschlussbilanz GRÜNE im Römer mit Katharina Knacker)
STG 13: TBA
STG 14: TBA
STG 15: TBA
STG 16: 19.11., Treffpunkt und Uhrzeit werden noch bekannt gegeben